Wirtschaft : Das Reden geht weiter

Mit ausrangierten Mobiltelefonen lässt sich vieles anfangen – nur im Mülleimer sollten sie nicht landen

Jan Friedmann

Wer sich immer auf dem neuesten Stand der Technik zeigen will, hat ein Problem: Wohin mit dem alten Mobiltelefon? Die Deutschen horten 60 bis 80 Millionen ausrangierte Handys. Nach einer Prognose des amerikanischen Handy-Herstellers Motorola sollen sie in diesem Jahr noch einmal 18 Millionen neue Mobiltelefone kaufen, nach 30 Millionen im Jahr 2001.

Über der Freude am neuen Handy gerät das alte Modell in Vergessenheit – meist zu unrecht. Denn auch mit Gebrauchtgeräten lässt sich Geld verdienen, zum Beispiel indem man sie im Internet versteigert. Neben den großen Online-Auktionshäusern gibt es spezielle Marktplätze für Handys aus zweiter Hand. Doch nicht alles, was klingelt, bringt Geld: „Am besten gehen brandneue Modelle ohne Vertrag“, sagt Frederik Luz, Director Sales beim Online-Auktionshaus Ricardo. Beim Marktführer Ebay Deutschland wechselt alle 30 Sekunden ein Mobiltelefon den Besitzer. Die beliebtesten Gebrauchthandys sind nach Auskunft von Ebay die Nokia-Modelle 3310, 3330, 6210, 6310i und die Siemens-Handys S35, S35i und S45i.

Peter Knaak, Handy-Experte der Stiftung Warentest, warnt aber vor übertriebenen Preisvorstellungen: „Man muss bedenken, dass die Mobilfunkkonzerne Kunden subventionierte Neugeräte anbieten. Da lohnt sich der Kauf eines Gebrauchthandys oft nicht.“ Nach Knaaks Erfahrungen erwägen Mobiltelefonierer vor allem in zwei Fällen, ein „Second-Handy“ anzuschaffen: Das eigene Mobiltelefon wird gestohlen oder geht kaputt. Oder es ist nicht mehr zeitgemäß, aber das Wunschmodell kostet aus erster Hand zu viel. Einen regelrechten Markt für Gebrauchthandys sieht Knaak aber nicht: Die Technik veralte zu schnell, entsprechend niedrig sei der Wiederverkaufswert.

So bleiben die meisten Besitzer von Althandys auf ihren Geräten sitzen. Hersteller und Mobilfunkanbieter nehmen zwar in Einzelfällen Gebrauchthandys zurück, sind aber dazu nicht verpflichtet: Erst im Jahr 2005 tritt die WEEE-Verordnung (Waste Electric Electronical Equipment) der Europäischen Union in Kraft. Sie zwingt die Hersteller, Altgeräte zu entsorgen.

Der Netzbetreiber Vodafone bietet seinen Kunden in Zusammenarbeit mit der Münchner Firma XS Tronix einen Rücknahmeservice an: Für jedes zurückgenommene Handy kommen fünf Euro einer gemeinnützigen Organisation zugute.

Mit dem alten Mobiltelefon lässt sich auch auf direktem Wege Gutes tun: „Das Handy ist als wandelnde Notrufsäule ideal“, sagt Knaak. „Die Nummer 112 funktioniert immer. Ohne SIM-Karte sucht sich das Gerät bei einem Notruf automatisch das stärkste Netz. Das kann etwa in entlegenen Gegenden wichtig sein.“ Senioren seien dankbare Abnehmer für Notruf-Handys, sagt ein Sprecher der Arbeiterwohlfahrt. Trotzdem rufen die Wohlfahrtsverbände nicht flächendeckend zu Handy-Spenden auf: „Wir würden sonst mit alten Geräten überschwemmt.“

Wer sein Handy weder verkaufen noch verschenken will, kann es zum Wertstoffhof oder zur öffentlichen Elektroschrott-Sammelstelle bringen. In den Hausmüll gehört es nicht. Bei der Verbrennung mit dem Hausmüll setzen Handys nämlich Gifte wie Quecksilber, Blei, Cadmium oder Arsen frei. Die Inhaltsstoffe der LC-Displays sind nicht biologisch abbaubar, die Akkus enthalten Schwermetalle.

Handy-Börsen im Internet:

www.handy-market.com

www.gebrauchthandy.de

www.handy-gebraucht.de

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