Wirtschaft : Das Rennen um Rolls ist wieder offen

LONDON (AFP).Die Aktionäre des britischen Autoherstellers Rolls-Royce wollen die Nobelmarke mit allen Mitteln in britischer Hand behalten.Um eine Übernahme durch den bayerischen Autohersteller BMW oder den ebenfalls um sie buhlenden VW-Konzern zu verhindern, wollen sie deren Kaufangebote in letzter Minute mit einer eigenen Offerte ausstechen, wie Aktionärssprecher Michael Shrimpton am Montag sagte.Die Nobelmarke sei ein Teil des britisches Prestiges und dürfe nicht an das Ausland verkauft werden.Der Mutterkonzern Vickers versicherte, das Angebot zu prüfen.

Dadurch könnte sich der im Oktober angekündigte Verkauf von Rolls-Royce erneut verzögern.Das Vickers-Management hatte ursprünglich vor, die Übernahmeentscheidung am Freitag nach einer außerordentlichen Hauptversammlung bekanntzugeben.Die Vickers-Aktionäre haben das letzte Wort in dem Übernahmepoker.

Nach Informationen der britischen Zeitung "Sunday Times" wollen die Vickers-Aktionäre dem Firmenmanagement in dieser Woche ein Angebot von rund 450 Mill.Pfund (1,28 Mrd.DM) unterbreiten und die VW-Offerte damit um 20 Mill.Pfund überbieten.Die Aktionäre - mehrheitlich britische und US-Millionäre - hätten dazu eigens die Gesellschaft Crewe Motors gegründet und planten außerdem die Bereitstellung von umgerechnet fast einer Milliarde DM zur Entwicklung neuer Rolls-Royce-Modelle.Das Angebot solle dem Vorstand noch vor der Aktionärsversammlung am Freitag vorgelegt werden, sagte der Anwalt Shrimpton.Die Versammlung war ursprünglich für Donnerstag geplant, dann aber um einen Tag verschoben worden.

Das Vickers-Management sei verpflichtet, die Offerte zu prüfen, sagte ein Firmensprecher am Montag.Der Vorstand müsse jedoch überzeugt sein, daß es sich um ein ersthaftes Angebot handele.Außerdem sei ausschlaggebend, ob es mit dem Übernahmeangebot des VW-Konzerns vergleichbar sei.Anfang Mai hatte die Vickers-Führung den Aktionären überraschend empfohlen, VW den Zuschlag zu geben, obwohl sie zunächst eine Grundsatzvereinbarung mit BMW über den Kauf von Rolls-Royce und der Schwestermarke Bentley geschlossen hatte.BMW hatte jedoch lediglich 340 Mill.Pfund geboten und ausgeschlossen, daß es das VW-Angebot über 430 Mill.Pfund überbieten werde.

BMW drohte statt dessen, den Vertrag über die Motorenlieferung zu kündigen, falls sich die Hauptversammlung nicht für eine Übernahme durch BMW entscheide.Der Triebwerkshersteller Rolls-Royce plc, der die Namensrechte der Nobelmarke hält und seinerseits eine Kooperation mit BMW unterhält, bekräftigte, er favorisiere den bayerischen Automobilhersteller für die Übernahme des Autogeschäfts.

"Ich bin Besitzer eines Bentley, und ich war erschrocken, daß die Firma an das Ausland verkauft werden sollte", sagte Aktionärssprecher Shrimpton.Der Plan für eine Übernahme durch die Aktionäre sei bereits bei einem Treffen von Rolls-Royce-Fahrern im vergangenen November gefallen."Wir denken, daß dies eine wunderbare Firma mit einer guten Zukunft ist", bekräftigte er."Sie ist Teil unseres nationalen Prestiges." Die berühmte Rolls-Royce-Kühlerfigur Emily trage den "guten Namen dieses Landes" in die Welt.

Die Identität der Gesellschafter von Crewe Motors wurde zunächst geheimgehalten.Es werde sich um ein britisches Unternehmen unter britischer Führung handeln, sagte Shrimpton der "Sunday Times".Der Name Crewe Motors steht für die mittelenglische Stadt, in der die Luxuskarossen gefertigt werden.

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