Wirtschaft : Das richtige Maß für Übernahmen

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Von Dieter Fockenbrock

Amerikanische Konzerne starten eine neue Fusionswelle. Die Bank of America gibt 47 Milliarden Dollar für den Konkurrenten Fleetboston aus, die Tabakriesen Reynolds und BAT legen ihr USA-Geschäft zusammen. Wert der Transaktion: fast drei Milliarden Dollar. Es ist nur eine Frage der Zeit bis die Welle auch Europa erreicht. In Deutschland ist sie bereits angelaufen. Tchibo hat gerade den Nivea-Konzern Beiersdorf geschluckt, der Haarpflegespezialist Wella landete erst vor wenigen Monaten unter der Haube von Procter & Gamble. Das alles weckt ungute Erinnerungen an die Jahrhundertwende als das Geschäft mit Fusionen und Firmenübernahmen die Investoren und Aktienmärkte elektrisierte. Der Hype nahm ein trauriges Ende, hinterließ enttäuschte Aktionäre, frustrierte Manager und Tausende arbeitsloser Investmentbanker und Berater. Und das soll sich nun wiederholen?

Die Fusionspause darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die deutsche Unternehmenslandschaft sich bis heute nicht neu sortiert hat. Noch sind Banken und Versicherungen an vielen Industriekonzernen beteiligt, noch gibt es Konglomerate, bei denen die eine Sparte mit der anderen nichts zu tun hat. Die alte Deutschland AG der Verflechtungen, Verpflichtungen und Verbindungen ist in Auflösung. Aber sie hatte erst damit begonnen, sich zu zerlegen. Jetzt, wo die Konjunktur anzuspringen scheint, fassen Banken und Industrie wieder Mut. Und darin liegt auch die gute Nachricht der neuen Fusionswelle: Firmen kauft niemand, wenn sie keine Geschäfte versprechen. Und gute Geschäfte macht man, wenn die Wirtschaft brummt – wenn die Fusionskandidaten die Maßstäbe nicht wieder verlieren.

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