Das schlechte Ansehen der Banken : Eigentor mit Anlauf

Wie sehen die Deutschen ihre Banken, fünf Jahre nach Beginn der Finanzkrise? In einer Umfrage kommen die Institute schlecht weg - dabei haben sie die Studie selbst bezahlt.

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Jürgen Fitschen, Deutsche-Bank-Chef, und Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, auf einer Veranstaltung.
Jürgen Fitschen (rechts) ist Chef der Deutschen Bank und des Privatbanken-Verbandes BdB. Beim Bemühen, das Ansehen der Banken zu...Foto: dpa

Wer eine Umfrage oder eine Studie in Auftrag gibt, hat meistens schon vorher ungefähre Vorstellungen vom Ergebnis. Es soll im Idealfall das angestrebte Image pflegen und entsprechend medial verwertbar sein – schließlich kostet ein solches Projekt mindestens einen schönen vierstelligen Betrag. Gemessen an diesen Maßstäben ist die Untersuchung, die der Bankenverband bei den Meinungsforschern vom Allensbach-Institut bestellt hat, ein echtes Eigentor.

Die Umfrage, die Allensbach-Chefin Renate Köcher am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat, zeichnet ein wenig schmeichelhaftes Bild der Öffentlichkeit von den Instituten: mächtige Unternehmen, die mit ihrer Zockerei die Euro-Krise ausgelöst, aber aus ihren Missetaten bislang nichts gelernt haben und deshalb an die Leine des Staates gehören. Dass der Steuerzahler ihnen im Krisenfall rettend zur Seite springen müsste, findet nur eine überschaubare Minderheit.

„Geschäft ist nicht alles, wir müssen auch die Belange der Gesellschaft im Blick behalten“, gab daraufhin Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank, eher kleinlaut zu Protokoll. Immerhin: Die Banker denken nun offiziell über ihre Rolle und ihr Selbstverständnis nach – etwa am Mittwoch auf einer Diskussionsrunde mit dem Titel „Reflexionen“ am Pariser Platz. Allerdings: Allzu kritische Geister hatte man dazu vorsichtshalber nicht geladen.

Die Banker wissen aber spätestens aufgrund der Umfrage, was man ihnen nachsagt. 84 Prozent der knapp 1600 repräsentativ Befragten machen „die riskanten Geschäfte der Banken“ für die Euro-Misere verantwortlich. „Zu hohe Schulden“ einiger Staaten rangieren als Ursache sogar noch dahinter. 49 Prozent finden zudem, dass die Banken aus der Krise keine Lehren gezogen haben. Und für besonders wichtig halten viele die Bankenbranche auch nicht – selbst der Pharmaindustrie und dem Bau messen die Deutschen eine höhere Bedeutung für die Wirtschaft zu.

Eines der wichtigsten Anliegen der Bankenlobbyisten ist es derzeit, noch strengere Gesetze für ihre Geschäfte zu verhindern. Die Umfrage hilft dabei freilich wenig: Nur 14 Prozent haben den Eindruck, die Branche werde zu stark reguliert. 53 Prozent finden dagegen, dass der Staat mehr tun müsste – zum Beispiel die Managergehälter festlegen (50 Prozent) oder die Investitionspläne genehmigen (30 Prozent). Ein kleiner Trost: Ihr eigenes Institut sehen die Verbraucher weniger kritisch. 73 Prozent haben großes oder sehr großes Vertrauen zu ihrer Hausbank, 90 Prozent sind mit ihr zufrieden. Immerhin ein paar positive Nachrichten für so viel Geld.

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