Wirtschaft : Das Sicherheits-Netz

Wer seine Bücher online kauft, kann diese zwei Wochen lang zurück geben. Aber Vorsicht bei Zeitschriftenabos

Matthias von Arnim,Andreas Kunze

WAS SIE BEI INTERNET-GESCHÄFTEN BEACHTEN MÜSSEN

Von Matthias von Arnim und

Andreas Kunze

Das Online-Shopping in Deutschland boomt: Im vergangenen Jahr setzten die Internet-Läden 8,5 Milliarden Euro um. Das sind 60 Prozent mehr als noch im Jahr 2001. Für 2003 rechnet der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) mit elf Milliarden Euro Umsatz im E-Commerce. Neben Büchern und CDs werden zunehmend auch Finanzdienstleistungen und Reisen über die virtuelle Ladentheke verkauft.

Seit dem vergangenen Jahr sind Kunden, die im Online-Shop einkaufen, noch besser geschützt. „Innerhalb von zwei Wochen nach der Zusendung kann fast jeder Kauf storniert werden", sagt der Kölner Rechtsanwalt und E-Commerce-Experte Rolf Becker. „Hat der Versandhändler den Kunden nicht oder nicht richtig belehrt und informiert, dann hat der Käufer sogar unbeschränkt Zeit, sich von der ungeliebten Ware zu trennen." Fehlerhaft kann eine Kunden-Belehrung schon dann sein, wenn der Hinweis fehlt, wann die Widerrufsfrist beginnt.

Macht der Kunde von seinem Recht Gebrauch, kann er die Barauszahlung des Kaufpreises verlangen. „Eine andere Ware oder einen Gutschein muss er nicht akzeptieren", so Becker. Und wer zahlt die Rücksende-Gebühren? Wenn es ausdrücklich vereinbart wurde, der Käufer – allerdings nur bis zu einem Bestellwert von 40 Euro. Ab 40 Euro ist in jedem Fall der Verkäufer in der Pflicht.

Das Widerrufsrecht gilt jedoch nicht bei folgenden Versandgeschäften:

beim Kauf von Privat,

bei Spezialanfertigungen nach Kundenvorgaben,

bei verderblichen Lebensmitteln,

bei Datenträgern wie CDs oder DVDs, wenn sie vom Kunden entsiegelt wurden,

und beim Abonnement von Zeitungen und Zeitschriften unter 200 Euro.

Buchen ohne Risiko

30 Prozent der Deutschen haben einer Allensbach-Studie zufolge bereits Erfahrung mit Online-Käufen. Die „Reise-Weltmeister" entdecken dabei auch immer mehr die Möglichkeit, den Urlaub im Internet zu buchen. Die Reiseplanung von zu Hause funktioniert praktisch 24 Stunden am Tag. Abgesehen von kurzen nächtlichen Pausen, in denen die Buchungssysteme neu mit Daten gefüttert werden, finden Surfer mit Fernweh in Internet-Reiseshops reichlich Auswahl.

Die Bezahlung bei der Online-Buchung erfolgt in der Regel über Kreditkarte oder Bankeinzug. Ausnahmen: Ltur erlaubt auch Online-Überweisungen, lastminute.de akzeptiert ausschließlich Kreditkarten als Zahlungsmittel. Die Buchungsbestätigung erfolgt bei den meisten Anbietern per E-Mail, die Reiseunterlagen werden per Post zugesandt. In punkto Sicherheit setzen Anbieter wie ltur.de, buybye.de oder lastminute.de die Maßstäbe.

Bei einer Buchung über das Internet vertrauen die Reiseanbieter auf so genannte Secure Socket Layer (SSL), die dafür sorgen, dass die Daten verschlüsselt transportiert werden. Fremden Augen bleibt damit der Zugriff auf Informationen während der Übertragung verwehrt. Lastminute.de geht sogar noch einen Schritt weiter und fragt die persönlichen Daten telefonisch ab. So müssen die sensiblen Angaben nicht übers Web transportiert werden – auf jeden Fall ein Sicherheitsplus.

Wer jedoch als Verbraucher das Internet nutzen will, um sich eine Marktübersicht zu verschaffen, sollte eher skeptisch mit den Informationen umgehen. „Verbraucherinformationen zu Gesundheit und Finanzdienstleistungen im Internet sind häufig lückenhaft, unpräzise und missachten den Datenschutz". So lautet das Fazit einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie von Consumers International, Dachorganisation von 250 Verbraucherorganisationen in 115 Ländern.

Zudem sei die Trennung zwischen Werbung und neutraler Information für Verbraucher meist nicht erkennbar. „Das Internet ist als Quelle für unabhängige Verbraucherinformationen mit Vorsicht zu genießen", warnt Patrick von Braunmühl vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Das gilt auch für die beliebten Preis-Suchmaschinen. Denn das Geschäftsmodell des Anbieters entscheidet auch über die Qualität der Vergleiche. Listet der Betreiber der Preis-Suchmaschine nur Anbieter auf, die dafür bezahlen, kann von einem sauberen Markt-Vergleich keine Rede sein. Die günstigsten Anbieter fehlen dann meist.

Bezahlte Finanzvergleiche

Anfällig für solche scheinbar objektiven Marktbetrachtungen sind vor allem Preisvergleiche. Geradezu irreführend sind mitunter Vergleiche von Finanzprodukten. Ratenkrediten, Hypothekendarlehen und Versicherungen verschiedener Gesellschaften objektiv miteinander zu vergleichen, ist eine Herausforderung, der sich nur wenige Anbieter ernsthaft stellen. Während die Stiftung Warentest meist über Monate an Tests arbeitet, streuen fragwürdige Quellen ihre Daten wie Konfetti. Der Frankfurter Vermögensberater Max Herbst schüttelt deshalb über manche „Marktübersicht" nur den Kopf. Während seriöse Online-Services erst einmal abfragen, was die Nutzer genau suchen, präsentieren andere Dienste auf Knopfdruck Übersichtslisten. Die Klassenbesten aller dort gezeigten Gesellschaften sind, wie Herbst anmerkt, oft dieselben: „Nämlich die, die auch dafür bezahlen, dass genau die Konditionen abgefragt werden, mit denen sie in einem vorteilhaften Licht erscheinen. Eine niedrigere Kreditsumme, eine längere Laufzeit oder eine andere Beleihungsgrenze, und die Vergleichslisten sähen ganz anders aus."

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