Wirtschaft : Das Soziale als Geschäft

Sechs Unternehmer werden von der Organisation Ashoka gefördert, um die Gesellschaft zu verändern

Dagmar Dehmer

Berlin - „Soziale Veränderungen sind nicht nur Sache des Staates“, sagt Ashoka- Geschäftsführerin Konstanze Frischen. Die Organisation fördert deshalb seit 26 Jahren Unternehmer, die mit ihrer Geschäftsidee einen sozialen Wandel auslösen könnten. Am Donnerstagabend hat Ashoka Deutschland die ersten sechs „Social Entrepreneurs“ in München in ihr Programm aufgenommen. Die sechs Stipendiaten suchen mit ihren Unternehmen nach Lösungen gegen die Arbeitslosigkeit, für eine bessere Bildung von Kindern und die Integration von Einwanderern.

Seit zweieinhalb Jahren gibt es Ashoka in Deutschland. Gegründet wurde die Organisation 1980 in Indien vom Amerikaner Bill Drayton, der damals McKinsey-Partner war. Der wohl berühmteste Ashoka-Fellow ist Muhammad Yunus, der in diesem Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden ist. „Er ist das Paradebeispiel für einen Unternehmer, dem es nicht um Wohltätigkeit geht, sondern darum, für ein soziales Problem eine grundlegende Lösung zu finden“, sagte Konstanze Frischen dem Tagesspiegel.

Die Stipendiaten bekommen alle Hilfen, die auch ein kommerzieller Unternehmer bekäme. Ashoka unterstützt sie beim Business-Plan, stellt Kontakte zu anderen Stipendiaten her oder hält ihnen mit einer persönlichen Förderung von bis zu drei Jahren den Rücken frei.

Franz Dullinger aus Landau an der Isar wird für seine Initiative „Xper Regio“ ausgezeichnet. Er hat mit 17 Kommunen in einer strukturschwachen Region ein Konzept entwickelt, wie junge Unternehmer direkt Anträge für eine EU-Regionalförderung stellen können. Auch in Brüssel wird sein Konzept als vorbildlich angesehen. In Ostbayern hat Dullinger damit nach Angaben von Ashoka „eine Welle unternehmerischer Aktivität ausgelöst“.

Ramazan Salman hat in Hannover ein ethnomedizinisches Zentrum gegründet, das in 21 Städten Migranten als Vermittler zwischen Einwanderern und Ärzten ausgebildet hat. Sie werben für Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen und geben Ärzten Informationen, mit welchen Gesundheitsproblemen Migranten besonders zu tun haben. Er will sein Konzept nun auf Bildung und Finanzen ausweiten.

Heike Schettler aus Starnberg hat einen naturwissenschaftlichen Lehrplan für Vier- bis Zehnjährige im Kindergarten und in der Grundschule entworfen. Sie will damit auch Erwachsenen ihre Angst vor Naturwissenschaften nehmen und „bildungsarme Schichten“ erreichen. Dagmar Schreiber aus Teltow-Fläming in Brandenburg hat ein computergestütztes Austauschprogramm für Schüler, Eltern und Lehrer entwickelt. Das Ziel: besserer Unterricht. Rupert Voss aus München hat ein Wiedereingliederungsprogramm für gewalttätige Jugendliche entwickelt. Er bringt etwa 80 Prozent seiner Kunden innerhalb eines Jahres ins Arbeitsleben zurück. Murat Vural aus Castrop-Rauxel gibt Migrantenkindern durch positive Vorbilder Anreize, sich Bildungsziele zu setzen. Seine Organisation IBFS hilft ihnen dann, etwa das Abitur zu machen.

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