Wirtschaft : Das Spiel kann beginnen

Fußball begeistert nicht nur bei der Weltmeisterschaft Millionen von Menschen. Der Sport ist auch ein großer Markt, der spannende Jobs bietet

Gero Brandenburg
Nah dran. Nicht jeder kommt im Sportbusiness so weit wie Dieter Hoeneß. Nach seiner Fußballerkarriere wurde er PR-Manager beim Computer-Hersteller Commodore, dann Manager des VfB Stuttgart, Generalbevollmächtigter eines TV-Unternehmens und Manager bei Hertha BSC. In diesem Jahr hat er die Geschäftsführung des VfL Wolfsburg übernommen. In dieser Rolle gratuliert er auf dem Foto dem Bundesliga-Torschützenkönig Edin Dzeko, der beim VfL unter Vertrag steht.Foto: Jochen Lübke/dpa
Nah dran. Nicht jeder kommt im Sportbusiness so weit wie Dieter Hoeneß. Nach seiner Fußballerkarriere wurde er PR-Manager beim...Foto: picture alliance / dpa

Das Fieber hat wieder Menschen rund um den Globus erfasst: Am 11. Juni hat die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika begonnen. Nicht nur sportlich ist das vierwöchige Turnier, das erstmals auf dem afrikanischen Kontinent stattfindet, ein Riesenereignis. Auch für die globale Wirtschaft ist es ein Milliardendeal.

Der Fußballweltverband Fifa vermarktet sein Top-Turnier erstklassig und hat Weltkonzerne wie Adidas, Coca-Cola und Sony als Sponsoren an Bord. Sport ist eben nicht nur Unterhaltung, sondern vor allem Big Business. Und je professioneller das Geschäft wird, desto mehr wird gut ausgebildetes Personal benötigt. Ob es nun darum geht, Sportler einzukleiden, Vereine zu vermarkten, Auftritte von Sponsoren zu organisieren oder aber über TV-Rechte zu verhandeln – gefragt sind Profis mit Spaß am Spiel und großer Einsatzbereitschaft.

„Der Markt im Sportbusiness hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt“, schätzt Hans-Willy Brockes, Geschäftsführer der Europäischen Sponsoring-Börse und Branchenexperte. Selbst die Finanzkrise hat den Boom nur wenig bremsen können. Allein ins Sportsponsoring wollen deutsche Unternehmen in diesem Jahr 2,6 Milliarden. Euro investieren – und damit so viel wie im vergangenen Jahr. Bis 2012 sollen die Zahlen laut Studie „Sponsor Visions“ der Media-Agentur Pilot sogar wieder steigen.

Und nicht nur große internationale Veranstaltungen wie Fußball-WM, Olympische Winterspiele und die Formel 1 locken die Geldgeber. Gerade die nationalen Wettbewerbe erfreuen sich großer Wertschätzung von Seiten der Konzerne. Im Fußball, im Eishockey, aber auch im Hand- und Basketball haben sich in den oberen Ligen professionelle Strukturen etabliert. Ohne Trikot- und Bandenwerbung, ohne Merchandising und Vertrieb kommt kein Profiverein mehr aus.

Die Erste Fußballbundesliga etwa hat einen Jahresumsatz von 1,5 Milliarden Euro. „Die Proficlubs sind mittelständische Unternehmen, die auf gut ausgebildete Leute für Finanzen und Marketing nicht mehr verzichten können“, sagt Stefan Ludwig, Sport-Experte der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte. In den Geschäftsstellen sind leicht 100 Mitarbeiter und mehr beschäftigt. Hinzu kommen die Mitarbeiter von externen Dienstleistern und Agenturen, die eng mit den Vereinen zusammenarbeiten.

Einer davon ist Rouven Kasper. Der 28-Jährige, der die Universität Bayreuth als Diplom-Sportökonom verließ, arbeitet für die Sportbusiness-Agentur Sportfive und ist verantwortlich für die Vermarktung des Fußball-Zweitligisten FC Augsburg. Auch der FCA, der zuletzt durch die Niederlage gegen Nürnberg in der Relegation knapp am Aufstieg in die Erste Liga scheiterte, ist eine feste regionale Wirtschaftsgröße geworden. Möglich macht das vor allem das neue Stadion. Die Impuls-Arena fasst 31 000 Zuschauer, hat 52 Logen für Unternehmen und 1700 Business-Seats.

„Trotz Nichtaufstieg hat die Marke FC Augsburg enorm an Wert gewonnen“, sagt Kasper. Auch sein Arbeitgeber hat darauf reagiert und das Team vor Ort verdoppelt. 2008 waren es vier Leute, nun führt Kasper ein Team von acht Mitarbeitern. Es hat sich gelohnt. In der vergangenen Saison stieg der von Sportfive erwirtschaftete Umsatz in Augsburg von 4,5 Millionen auf 7,5 Millionen Euro. „Ich habe den perfekten Job für mich gefunden“, sagt Kasper.

Das sagt auch Herbert Hainer von sich. Der Vorstandsvorsitzende von Adidas, nach dem US-Rivalen Nike der zweitgrößte Sportartikelhersteller der Welt mit knapp 40 000 Mitarbeitern, schätzt an seiner Branche die Verbindung von Lifestyle und Business. Das Traditionsunternehmen aus Herzogenaurach – an dem die Finanzkrise nicht spurlos vorüberging, das zuletzt aber wieder positive Zahlen meldete – steht traditionell hoch in der Gunst von Bewerbern. Herbert Hainer sagt: „Wir schauen stark auf die Persönlichkeit der Absolventen und suchen weniger den reinen Akademiker als viel mehr den Unternehmer. Ein Bachelor mit Auslandserfahrung und eigenem Start-up ist uns lieber als der Master-Absolvent mit einem 1,0-Abschluss, der aber nie aus seinem Studierzimmer herausgekommen ist.“ Für Hainer und Adidas geht es bei der WM um viel: Das Turnier ist eine gigantische Showbühne, und der Konzern will immerhin 1,3 Milliarden. Euro in diesem Jahr mit dem Fußballgeschäft umsetzen. Auch Nike und Puma wollen die WM für sich nutzen.

Die Sportbusiness-Branche, sei es nun in Agenturen, Unternehmen oder bei Vereinen, braucht Nachwuchs. Betriebswirte sind ebenso wie Juristen gefragt. Sport-Ingenieure, Designer und IT-Experten für den Medienbereich haben ebenfalls gute Chancen. Viele Hochschulen haben in den vergangenen Jahren auf den Bedarf reagiert und bieten Studiengänge für Sportökonomie- und Sportmanagement an (siehe Kasten). Eine Führungsrolle kommt dabei der Universität Bayreuth zu. Hier nahmen ab 1985 die ersten „Spökos“ im Hörsaal Platz, und das Alumni-Netzwerk hat inzwischen hervorragende Kontakte in die Wirtschaft.

Allerdings ist der Weg nach oben auch im Sportbusiness steinig. Viele träumen davon, als Sportmanager der zweite Dieter Hoeneß zu werden. „Das ist natürlich unrealistisch“, sagt Ulrich Semblat, Vorsitzender des Verbandes für Sportökonomie und Sportmanagement.

Die gesamte Branche bietet vielfältige Chancen, bezahlt wird oft aber höchstens durchschnittlich. Gearbeitet wird häufig auch am Wochenende, und gerade Positionen bei Proficlubs sind rar. Auch beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) arbeiten gerade einmal 260 festangestellte Mitarbeiter, und die Fluktuation ist sehr gering. Denn wer dort angekommen ist, will meist auch bleiben. Bei der Deutschen Fußball Liga (DFL), zuständig für den Spielbetrieb der Profi-Ligen, sind es sogar nur 50 festangestellte Mitarbeiter.

Attraktive Arbeitsplätze gibt es allerdings auch in weniger populären Sportarten. Und Branchenexperte Hans-Willy Brockes rechnet mit weiterem Wachstum im Sportbusiness: „Die Fußball-WM der Frauen 2011 in Deutschland wird das nächste Highlight. Was die gesamte Branche immer brauchen kann, sind gute Leute mit neuen Ideen.“ (HB)

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