Wirtschaft : "Das Strafrecht bleibt außen vor"

Peter Feldhausen, Steuerfachanwalt in Düsseldorf, hat für Mitarbeiter und Kunden der Sparkasse im rheinischen Monheim das Modell der gemeinshaftlichen Selbstanzeige entwickelt.Mit Feldhausen sprach Andreas Hoffmann.

TAGESSPIEGEL: Wie funktioniert das Verfahren der gemeinschaftlichen Selbstanzeige?

FELDHAUSEN: Alle infrage kommenden Kunden reichen bei den Kreditinstituten eine Selbstanzeige ein.Die Banken fügen dann Erklärungen der betroffenen Mitarbeiter bei und übergeben das Paket der Steuerfahndung.

TAGESSPIEGEL: Was hat der Kunde davon?

FELDHAUSEN: Das Strafrecht bleibt außen vor.Der Kunde braucht nur die Steuern plus Zinsen nachzuzahlen, muß aber keine Geld- oder gar Freiheitsstrafe fürchten.Da können sonst schöne Summen zusammenkommen.Wer etwa 500 000 DM hinterzogen hat, erhält eventuell noch 250 000 DM Strafe.

TAGESSPIEGEL:Mancher hofft aber noch, daß die Fahnder ihn übersehen?

FELDHAUSEN: Die Steuerfahnder verfügen heute über sehr ausgefeilte Methoden, um die verborgenen Geldströme aufzuspüren.Aufgrund der Transaktionen, die ein Kunde vorgenommen hat, läßt sich sehr genau vorhersagen, ob er entdeckt wird oder nicht.

TAGESSPIEGEL: Wieviele Banken und Kunden haben sich bisher so angezeigt?

FELDHAUSEN: Gut zehn Banken.Etwa 1800 bis 2200 Kunden und Beschäftigte dürften sich selbst kollektiv angezeigt haben.

TAGESSPIEGEL: Und wie reagieren die Steuerfahnder?

FELDHAUSEN: Sie sind hoch erfreut.Sie müssen weniger Akten wälzen und Durchsuchungsbeschlüsse beantragen.Das spart Zeit und Arbeit.

TAGESSPIEGEL: Bedeutet dies Verfahren das Ende der Bankdurchsuchungen?

FELDHAUSEN: Das Problem werden wir noch viele Jahre haben.Bei der Dresdner Bank wird seit 1994 ermittelt, jetzt sind die Deutsche Bank und die Genossenschaftsbanken ins Visier der Fahnder geraten.Hierzulande gibt es vermutlich kein Geldinstitut, das nicht irgendwann durchsucht werden wird.Außerdem rüsten sich die Steuerfahnder weiter auf und verstärken ihr Personal.

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