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Maren Peters testet Putz- und Polierschuhe

Maren Peters

Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich sie bewundern oder verabscheuen soll – jene Menschen, die beim Putzen ihrer Wohnungen so planvoll vorgehen wie Architekten beim Bau eines Wolkenkratzers. Bei denen an jedem Samstag von zehn bis zwölf oder wahlweise 15 bis 17 Uhr – je nachdem, für wann der wöchentliche Einkauf terminiert ist – Saugen und Fegen, Wienern und Wischen auf der Tagesordnung steht. Und die dann auch konsequent zur Tat schreiten wie ein Feldmarschall zur Schlacht. Hey, werden Sie sich zurufen, das Leben ist kein Zuckerschlecken. Es handelt sich vermutlich um denselben Typus Mensch, der auch ohne Alkohol fröhlich sein kann. Ich gebe zu, diese Haltung hat gewisse Vorteile. Nie werden diese Menschen erschrocken zusammenzucken, wenn es unangemeldet an der Tür klingelt. Nie müssen sie Entschuldigungen stammelnd Zeit heraushandeln, um Kleiderberge hektisch in den Schrank zu stopfen, Zeitungsstapel unters Sofa zu schieben und anschließend auch noch die lustig darunter herauswirbelnden Staubflocken einzufangen.

Nein, ich würde mich eher der Gruppe der Initiativ-und Gelegenheitsputzer zurechnen. Umso größer war meine Freude, als mir die Kollegin einen Plastikbeutel mit Putz-Pantoffeln in die Hand drückte. Ich glaubte an Erlösung von meinem staubigen Problem und hatte sogleich eine Halluzination: Vor dem Fernseher sitzend würde ich gelegentlich mit den Füßen kreisen, bei besonders abgelegenen Putzarealen auch gelegentlich das Bein recken oder – um größere Flächen abzudecken – mit Anlauf quer durch den Raum rutschen und so nicht nur das Parkett, sondern auch gleich noch meinen Blutdruck in einen ordnungsgemäßen Zustand bringen.

Ich schlüpfte also während eines mäßig spannenden ZDF-Krimis in die Putz-Puschen, fühlte mich darin auch gleich wie zu Hause und ging gut gelaunt an die Arbeit. Wenko, der Hersteller des „Putz- und Polierschuhs“ (9,99 Euro) lässt viel Freiraum. Die Gebrauchsanleitung beschränkt sich auf den Rat, die durchsichtige Plastikverpackung von Säuglingen und Kleinkindern fernzuhalten, um Erstickungsgefahr zu vermeiden. Da kommt man notfalls auch allein drauf. Mir blieb also nichts anderes übrig, als experimentell auf Flusenfang zu gehen. Das funktionierte auf glatten Flächen auch ganz gut – in den blauen Baumwollzotteln, der Sohle des Putzschuhs, blieb doch allerlei hängen. Nur: Wohin dann mit dem Dreck? Und: Spätestens beim ersten Sofa, Tisch oder Schrank stößt der Putz-Puschen noch auf andere Probleme. Mir jedenfalls ist es nicht gelungen, mein Bein so zu winden, dass es inklusive Putzuntersatz unter den Schrank passte – als Stiel-Ersatz eine echte Enttäuschung. Es half nur eins: Putz-Schuh ausziehen, Hand reinstecken und den Flusen auf dem Boden kniend hintergraben. Einfacher wäre es gewesen, gleich den Staubsauger zu nehmen.

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