Wirtschaft : Das teure Exil der IG Metall

Die Gewerkschaft zieht in einen Neubau – und wird die alten Türme nicht los

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Frankfurt am Main Dass das „Exil“ so lange dauern würde, war nicht geplant. Rund zwölf Jahre residierte der IG-Metall-Vorstand in der Frankfurter Bürostadt Niederrad in zwei Glastürmen. An diesem Wochenende zieht die Zentrale der immer noch größten Einzelgewerkschaft der Welt wieder an ihren Stammsitz in die Wilhelm-Leuschner-Straße am Rande des Frankfurter Bahnhofs- und Bankenviertels.

Dort hat die IG Metall für rund 125 Millionen Euro einen neuen 80 Meter hohen Büroturm gebaut – das Main-Forum. Das wenig erfreuliche und vor allem teure Kapitel „Exil“ ist damit für die Gewerkschaft freilich noch nicht abgeschlossen: Was aus den Anfang der neunziger Jahre völlig überteuert für 232 Millionen Mark (118,6 Millionen Euro) gekauften Glastürmen in Niederrad wird, ist völlig offen. Der Markt für Büro-Immobilien liegt in Frankfurt am Main danieder.

Eigentlich wollten IG-Metall-Chef Jürgen Peters und die rund 550 Mitarbeiter in der Zentrale schon Mitte des Jahres in den neuen Turm ziehen. Aber die Fertigstellung des 22 Stockwerke hohen Gebäudes, an das sich ein Trakt mit 66 Wohnungen anschließt, hat sich verzögert. 18000 Quadratmeter Bürofläche wird die IG Metall beziehen, die restlichen 10000 Quadratmeter sind für andere Nutzer vorgesehen.

Doch mit dem Neubau, dessen Planung und Bau sich letztlich über mehr als ein Jahrzehnt hingezogen hat, istdie IG-Metall-Spitze die Sorgen mit der alten 13-stöckigen Zentrale noch lange nicht los. Wie die Verwertung der Glastürme in Niederrad – sei es die Vermietung oder ein Verkauf – aussehen könnte, ist noch völlig offen. Zwar versichert eine IG-Metall-Sprecherin, man arbeite an einem Konzept. Aber Frankfurter Immobilienmakler haben davon noch nichts gemerkt. „Die haben sich bislang doch noch gar keine Gedanken gemacht“, sagt ein Makler.

So oder so wird es schwierig: In Frankfurt und vor allem in der Bürostadt Niederrad stehen so viele Büros leer wie noch nie. Immobilien wie die alte IG-Metall-Zentrale mit ihren 20000 Quadratmetern Bürofläche müssten zunächst mit Millionenaufwand saniert werden, bevor sie auf Interessenten hoffen könnten. Selbst dann wird es sich nicht rechnen, weil die Preise auch für hochwertige Flächen derzeit tief im Keller sind. „Die Investition in Niederrad wird für die IG Metall ein saftiges Verlustgeschäft bleiben“, sagt ein Makler.

Das war es von Anfang an. Unter dem damaligen IG-Metall-Chef Franz Steinkühler erstand die Gewerkschaft die Glastürme vor fast 14 Jahren für rund 232 Millionen Mark. Das Geschäft sorgte schon damals für erhebliche Unruhe, eine Untersuchungskommission wurde eingesetzt. Tatsächlich stellte sich heraus, dass die IG Metall gut 90 Millionen Mark zu viel gezahlt hatte. 2001 wurde der Wert der beiden Türme nur noch auf 100 Millionen Mark geschätzt. Steinkühler hatte zudem Unmut auf sich gezogen, weil er vor dem Kauf an anderer Stelle bereits Büros für fünf Jahre gemietet hatte, die letztlich nicht benötigt wurden. Dies hatte die IG Metall zusätzlich noch einmal 21 Millionen Mark gekostet. Unter dem Strich hätte die Gewerkschaft beim Verzicht auf den Kauf der Glastürme in Niederrad das Main-Forum gleich zwei Mal bauen können.

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