Wirtschaft : Das teure Öl beflügelt den deutschen Export Maschinenbauer und Elektroindustrie profitieren

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Düsseldorf - Die steigenden Ölpreise schaden der deutschen Konjunktur weniger als bisher angenommen. Zwar belastet das Rekordhoch von 70 Dollar je Barrel (159 Liter) die Verbraucher. Gleichzeitig beflügelt es aber Deutschlands Exportwirtschaft. Vor allem der Maschinenbau und die Elektroindustrie profitieren von der steigenden Nachfrage der Ölförderländer, die sich mit Investitionen auf das Versiegen ihrer Ölquellen einstellen.

Anders als früher investierten sie ihr wachsendes Kapital nicht mehr fast ausschließlich in Finanzanlagen, sondern kauften in großem Stil Investitionsgüter, sagt Gernot Nerb vom Münchner Ifo-Institut. „Von dieser Entwicklung profitiert Deutschland mehr als andere Wirtschaftsnationen.“ So gelte die Faustregel, dass ein um zehn Prozent höherer Ölpreis einen halben Prozentpunkt Wachstum koste, nicht mehr.

Davon ist auch der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Axel Nitschke, überzeugt. „Den deutschen Unternehmen gelingt es zunehmend besser, die gestiegenen Energieausgaben über Absatzerfolge in den Ölförderländern wieder zurückzugewinnen.“ Für die Unternehmen zahlten sich die guten wirtschaftlichen Beziehungen zu den Nahost-Ländern und Russland aus.Tatsächlich unterhält Deutschland als Exportland Nummer eins selbst zu Staaten wie dem Iran intensive Kontakte. Trotz des Streits um das iranische Atomprogramm legten die deutschen Exporte in den Iran 2005 um gut 20 Prozent zu. Insgesamt wuchsen die Ausfuhren nach Nahost stärker als in alle übrigen Regionen. Zahlen des Statistischen Bundesamts und der Bundesbank zeigen, dass die Exporte in Opec-Staaten zweieinhalbmal so viel wert waren wie das von dort bezogene Rohöl.

Die jungen Eliten Saudi-Arabiens etwa investierten die Öleinnahmen „verstärkt in zukunftsträchtige Technologien“, beobachtet Eberhardt Unger vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch. Der Internationalen Energie-Agentur in Paris zufolge dürften sich die Einnahmen der ölproduzierenden Staaten in Nahost in diesem Jahr auf mehr als eine halbe Billion Euro summieren – so viel wie noch nie.

Profiteure des Investitionsbooms sind deutsche Großanlagenbauer wie Linde, Siemens und Thyssen-Krupp, die im vergangenen Jahr so viele Bestellungen wie nie zuvor erhielten. Der Auftragswert erhöhte sich gegenüber dem schon guten Jahr 2004 um mehr als ein Drittel. „Den außergewöhnlich guten Geschäftsverlauf verdanken wir an erster Stelle den hohen Preisen für Öl und Gas“, sagt Dieter Rosenthal, Vorstandssprecher der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau. Vor allem Verbrennungsmotoren und Turbinen zur Stromerzeugung, Baustoffmaschinen sowie Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen seien gefragt. Außerdem orderten Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi- Arabien und Iran Mobilfunk- und Festnetzausrüstung sowie Schaltgeräte und Steuerungssysteme für Industrieanlagen.

„Wenn die Ölpreise hoch bleiben, werden die Aufträge weiter rasant zulegen“, erwartet Chefvolkswirt Ulrich Scheinost vom Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie. Vor allem das Emirat Dubai entwickele sich „zu einer hoch technisierten Drehscheibe“. som (HB)

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