Wirtschaft : Das überfrachtete Unternehmen Deutsche Bahn

FLORIAN KOLF (HB)

DÜSSELDORF .Die Deutsche Bahn kommt nicht aus den Schlagzeilen.Immer neue interne Überlegungen des Unternehmens werden unter dem Etikett "Geheimpläne" der entrüsteten Öffentlichkeit präsentiert.Ob es Pläne zur Streichung von Zugverbindungen oder zur Differenzierung der Preise sind - wahlweise wird der Bahn ein Rückfall in das alte Behördendenken oder im Gegenteil eine zu starke Fixierung auf die Profitabilität vorgeworfen.

Landespolitiker aller Parteien überbieten sich gegenseitig mit Vorwürfen und Ermahnungen an die Adresse der Deutschen Bahn.Sogar Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann appellierte an die Bahn, ein attraktives Angebot im Fern-, Regional- und Nahverkehr für die Kunden bereitzustellen.Es ist an der Zeit, die Politiker daran zu erinnern, daß sie es waren, die die Bahn in die unternehmerische Selbständigkeit entlassen haben.Ziel war dabei, die marode Bundesbahn in ein rentables Unternehmen Deutsche Bahn AG umzuwandeln.

Daß die Bahn diesen Auftrag so ernst nehmen würde, damit hatte anscheinend keiner gerechnet.Denn sobald sie eine selbständige unternehmerische Entscheidung trifft, wird der große Knüppel des Gemeinwohls ausgepackt: Die Preise für die Fahrkarten sollen selbstverständlich sozialverträglich sein, mit ihrem Streckennetz soll sie die umweltpolitisch gewollte Verlagerung von Verkehr auf die Schiene unterstützen, und mit Fahrten in Feriengebiete soll sie Deutschland als Urlaubsland stärken.

Um es auf den Punkt zu bringen: 50 Jahre lang hat die Bahn Deutschland mit einem flächendeckenden Zugverkehr verwöhnt und ohne Rücksicht auf Kosten jeden kleinen Ort angeschlossen.Wer das auch heute noch von der Bahn erwartet, sollte sie in eine staatliche Behörde zurückverwandeln.Da das dann doch kein Politiker will, sollte man sich endlich fragen, was eine nach unternehmerischen Prinzipien arbeitende Bahn leisten kann und mit welchen Aufgaben sie überfrachtet wird.Das Prinzip "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß" führt in die Sackgasse: Es löst weder das Problem, die Mobilität der Bevölkerung sicherzustellen, noch hilft es der Bahn, für seinen Eigentümer, den Bund, eine Rendite zu erwirtschaften.

Stichwort Streckenangebot: Daß ein Unternehmen ein Produkt, das nicht gekauft wird, aus dem Sortiment nimmt, ist betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.Zu jedem Flugplanwechsel streicht die Lufthansa unrentable Strecken.Und ein Ziel, in das zu wenige Urlauber reisen, verschwindet schnell aus den Katalogen der Reiseveranstalter, auch wenn darunter die Tourismusindustrie vor Ort leiden mag.Die Bundesländer drohen jetzt der Bahn, wenn sie ihre Streckenkürzungen realisiere, würden sie im Gegenzug mehr Nahverkehrsleistungen bei der privaten Konkurrenz bestellen.Sollen sie ihre "Drohung" doch wahrmachen.Denn dann erreichen sie genau das, was mit der Bahnreform gewollt war: Mehr Konkurrenz auf der Schiene soll für ein Angebot sorgen, das preiswerter und mehr an den Wünschen des Kunden orientiert ist.

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