Wirtschaft : Das undurchsichtigeSpiel der Familie Grundig

Weitere Anteile veräußert / Philips als möglicher Käufer

München (tmh).Bei dem krisengeschüttelten Elektronikkonzern Grundig AG, Fürth, ist völlig überraschend Bewegung in die Struktur der Gesellschafter gekommen.Als neuer Anteilseigner auf den Plan getreten ist die Hohenstaufen Vierundvierzigste Vermögensverwaltungs GmbH, Köln, teilte der fränkische Traditionskonzern am Dienstag mit.Infolgedessen werde die für den 9.Juni angesetzte Hauptversammlung auf den 30.Juli verschoben.Wer der neue Aktionär ist, weiß in Fürth zumindest offiziell niemand.Klar ist nur, daß die Kölner 16,4 Prozent des Grundig-Kapitals aus dem Besitz der Familie Grundig übernommen haben.Deren Anteil schmilzt damit auf 52 Prozent.Der niederländische Philips-Konzern, der Anfang des Jahres die unternehmerische Führung bei Grundig niedergelegt hat, hielt zuletzt 31,6 Prozent der Anteile.Ob das Paket, das nun den Besitzer gewechselt hat, Philips zuzurechnen ist, bleibt vorerst unklar. Als Firmengründer Max Grundig mit den Niederländern 1984 den Einstieg in Fürth aushandelte, rang er Philips einen bis heute nur fragmentarisch bekannten Vertrag ab, der viele schwer durchschaubare Details enthält.So gibt es für die Familienanteile ein Andienungsrecht gegenüber Philips.Bietet die Familie den Niederländern Grundig-Aktien an, müssen die kaufen und zwar zu einem fixen Preis.Für die nun betroffenen gut 16 Prozent liegt dieser Preis dem Vernehmen nach bei 129 Mill.DM.Von diesem Andienungsrecht hat die Familie nach Grundig-Angaben gebrauch gemacht.Dabei stand sie unter einem gewissen Zeitdruck.Denn das Andienungsrecht war auf den 6.Juni 1997 befristet.Die restlichen 52 Prozent kann die Familie den Niederländern im Jahr 2004 für 411 Mill.DM andienen.Damit liegt der Verdacht nahe, daß die Kölner Vermögensverwaltung ein Anhängsel von Philips ist und der Konzern nun 48 Prozent der Grundig-Anteile hält. Zugleich scheint der Ausstieg der Niederländer in Fürth aber endgültig besiegelt.Über kurz oder lang dürfte sich Philips von allen Anteilen trennen wollen.Angesichts der desolaten Lage mit zuletzt 631 Mill.DM Rekorddefizit dürften Käufer derzeit kaum aufzutreiben sein.Spekuliert wird allenfalls über den Einstieg eines koreanischen oder japanischen Konzerns.Der dürfte sich aber nicht mit 48 Prozent zufriedengeben.Mehr hat Philips aber derzeit nicht zu bieten. Völlig undurchschaubar sind auch die Motive der Familie Grundig.Will sie durch ihren Aktienverkauf nur Kasse machen oder versucht sie neue Mehrheitsverhältnisse zu schaffen? Die Familie schweigt, Grundig ist bei der Interpretation der jüngsten Vorgänge ratlos und Philips war für eine Stellungnahme vorerst nicht zu erreichen.Zum hoch defizitären Geschäft kommt nun auch noch eine wirre Aktionärsstruktur.Verschärft wird die Lage noch durch die Tatsache, daß Management und Aufsichtsrat von Grundig offenbar vor einem massiven Rechtsstreit mit Philips stehen.Dabei geht es um Finanztransaktionen sowie um Ansprüche gegenüber ehemaligen Grundig-Vorständen, die von Philips eingesetzt wurden.Spätestens zur Hauptversammlung Ende Juli muß der Schleier der Anteilsgeheimnisse gelüftet werden.Ob darunter für Grundig eine planbare Zukunft zum Vorschein kommt, ist die Frage.

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