Wirtschaft : Das ungenutzte Potenzial

Zu wenige Frauen werden Unternehmerin, weil sie sich zu wenig zutrauen

Henning Zander

Berlin - Frauen wagen viel seltener als Männer den Schritt, sich selbstständig zu machen. Nur ein Drittel der Unternehmensgründungen in Deutschland geht nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) von Frauen aus. Obwohl Frauen so gut ausgebildet sind wie nie zuvor. „Wenn ein Potenzial ungenutzt bleibt, hat das immer Konsequenzen“, sagt Udo Brixy, Autor einer Studie der IAB und der KfW-Bankengruppe zur Gründungssituation in Deutschland. Dem Land gingen wichtige volkswirtschaftliche Impulse verloren. Denn auf viele möglicherweise erfolgreiche Gründungen müsse verzichtet werden.

Nach der Studie sehen Frauen seltener gute Gründungschancen als Männer und sind weniger von ihren Fähigkeiten überzeugt. Dabei lassen sie sich oft von der Angst zu scheitern von einer Gründung abhalten. „Frauen sind immer noch von Rollenbildern geprägt, die eine Selbstständigkeit hemmen“, sagt Heide Meyer, Vorsitzende des Landesverbandes deutscher Unternehmerinnen Berlin/Brandenburg. „Sie sind sich oft nicht ihrer Fähigkeiten bewusst und gehen dann auch kein Risiko ein.“ Sollten sie sich dennoch für die Selbstständigkeit entscheiden, fehle häufig eine geeignete Möglichkeit der Kinderbetreuung während der Arbeitszeit. Die letzten entscheidenden Schritte zur Unternehmensgründung würden dann doch nicht getan. Nach der Studie des IAB gründen Frauen auch seltener als Männer Unternehmen, von denen sie ein starkes Beschäftigungswachstum erwarten. Ihr Anteil liegt auf diesem Gebiet bei nur etwa 17 Prozent.

„Frauen machen sich noch überwiegend in traditionellen Frauenberufen selbstständig, in denen weniger Geld verdient wird“, sagt Autor Brixy. Die Wachstumschancen etwa eines Frisiersalons seien eingeschränkt. Die Branchen, in denen sich Frauen selbstständig machen, sind oft sehr hart umkämpft, die Geschäfte klein und die Konkurrenz sehr groß. Zu diesem Ergebnis kommt auch die bundesweite Gründerinnenagentur, die Frauen auf dem Weg in die Selbstständigkeit berät. Doch auch in manchen klassischen Frauenberufen, wie etwa in der Pflege, liege ein großes Wachstumspotenzial, sagt Projektleiterin Iris Kronenbitter. Die Agentur bietet Informationen zu Unternehmensgründungen speziell für Frauen. Auch die Netzwerkbildung soll gefördert werden. In einem Expertenpool auf der Homepage der Agentur können sich Frauen eintragen, die Gründerinnen mit Rat unterstützen können. In vielen Fällen würden Frauen ihre Fähigkeiten unterschätzen, sagt Kronenbitter. „Ein Phänomen, dass man häufig antrifft: Als ich eine Stelle für eine Bürokraft ausschrieb, hatte ich mehr als hundert Bewerbungen. Überwiegend meldeten sich Akademikerinnen, unter ihnen viele promoviert“, sagt Kronenbitter. Sie bedauere, dass sich viele Frauen unter Wert verkauften.

„Noch in der Schule müsste an Unternehmertum herangeführt werden“, sagt Verbandsvorsitzende Meyer. Um spätere Gründungen zu fördern, sei es auch notwendig, früh das Selbstbewusstsein der Frauen zu stärken.

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