Wirtschaft : Das Unternehmen trennt sich von seiner Chiptechnik-Tochter

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Bei der Berliner Elektro Holding AG (BEH), Berlin, steht ein radikaler Kurswechsel an. Die Unternehmensgruppe, die ihre Beteiligungen an rund 80 mittelständischen Betrieben zuletzt in fünf, teils börsennotierte Tochtergesellschaften gegliedert hatte, will sich von der Idee eines Konzerns verabschieden und in Zukunft nur noch als reine Kapitalbeteiligungsgesellschaft agieren. "Wir streben nicht mehr die unternehmerische Führung bei Beteiligungen an", sagte der neue BEH-Vorstandsvorsitzende Christoph Schug, der nach dem Ausscheiden von Reinhold Heibel Ende Dezember die Leitung übernommen hatte, am Mittwoch in Berlin.

Gleichzeitig wird sich die BEH von weiteren Beteiligungen trennen. Neben dem bereits angekündigten Verkauf der defizitären Verkehrstechniktochter Schaltbau AG - laut Schug wird mit "mehreren Interessenten im In- und Ausland" verhandelt - steht nun der Ausstieg aus der Sparte Chipmontagetechnik an. Die Beteiligung an der BE Semiconductor Industries N.V. (Besi) von derzeit 55 Prozent soll ganz oder teilweise an "institutionelle Investoren" verkauft werden. Die Zahl der angebotenen Aktien und der Kaufpreis würden Ende März festgelegt. Der Verkauf könnte der BEH rund 300 Millionen Euro in die Kassen spülen. Auch in den übrigen drei Bereichen - Elektrotechnik (Euromicron AG), Bankentechnik (Synfis AG) sowie Hochtechnologie (Berliner Elektrotechnik GmbH) - werde man sich "von Kleinstbeteiligungen trennen", kündigte Schug an. Alles in allem wird die Gruppe mehr als 60 Prozent ihres Umsatzvolumens abgeben.

Durch die Konzentration auf wenige, ertragsstarke Bereiche könne man sich stärker der Kurspflege der zuletzt bei 10 Euro dahindümpelnden BEH-Notierung widmen, sagte Schug. Dies finde auch die Unterstützung der Großaktionäre, zu denen neben der Familie Bernau nun auch der Unternehmer Günther Leibiger zählt. Gemeinsam halten sie laut Schug etwa 40 Prozent der BEH-Anteile. Die Aktionäre werden in diesem Jahr voraussichtlich auf eine Dividende verzichten müssen. Wegen der Bereinigung der Verluste bei der Tochter Schaltbau weist der Konzern für 1999 einen Verlust nach Steuern von 60 Millionen Mark (Vorjahr: plus 36 Millionen Mark) aus, in der AG sogar von 125 (Vorjahr: plus 34) Millionen. Der Umsatz verringerte sich wegen der nur noch teilweise konsolidierten Schaltbau-Beteiligung von 1,65 auf 1,37 Milliarden Mark.

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