Wirtschaft : „Das unternehmerische Know-How fehlt“ Wirtschaftssenator Wolf über die Kulturwirtschaft

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Herr Wolf, Sie haben eine Initiative zur Förderung der Kulturwirtschaft angeregt. Was soll sie bewirken?

Wenn in Berlin über Kultur diskutiert wird, geht es meist um die öffentlich subventionierte Hochkultur. Als Standortfaktor für Tourismus ist das natürlich sehr wichtig. Aber die ganze Frage der privaten Kulturwirtschaft vom kleinen Verlag bis zum Musicaltheater ist bislang wenig besprochen worden. Schon jetzt sind in der Kulturwirtschaft in Berlin insgesamt 110000 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Wir wollen gemeinsam mit den Unternehmen überlegen, wie wir den Standort noch verbessern können.

Was soll konkret geschehen?

Zusammen mit Kultursenator Thomas Flierl plane ich einen Kulturwirtschaftsbericht, der eine Bestandsaufnahme sein wird. Dann müssen wir überprüfen, ob unsere Förderprogramme zeitgemäß sind. Ein wichtiger Punkt wird auch das Thema Existenzgründungen sein. Kreative Ideen gibt es genug, aber das unternehmerische Know-how fehlt oft. Vielleicht kann das an den Unis besser vermittelt werden.

Wollen Sie den privaten Kulturbetrieb fördern, weil der Senat sparen muss?

Das Kulturangebot darf nicht nur nach der Massennachfrage gehen. Aber Thomas Flierl hat keinen Kulturbegriff, der besagt, Kultur muss immer teuer sein und staatlich. Beides hat seine Berechtigung.

Gibt es in Berlin nicht Wirtschaftszweige, die dringender neuen Schub brauchen?

Wir haben erst kürzlich mit den Wirtschaftsverbänden eine Wachstumsinitiative vereinbart. Die Kulturwirtschaft kann dabei die wichtige Rolle spielen, das Profil der Stadt zu schärfen.

Das Gespräch führte Alexander Visser

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