Wirtschaft : Das Versagen des Internet-Aktienhandelssystems Instinet beendete den anfänglichen Boom

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Die Aktionäre des britischen Informationsdienstleisters Reuters sind enttäuscht: Seit Ende September fiel das Papier von über neun Pfund (27 Mark) auf zuletzt unter 6,50 Pfund (19,50 Mark). Der Wert des Unternehmens verlor in einem Monat elf Milliarden Mark, er sackte auf nur noch 27 Milliarden Mark. Die Anleger mussten umdenken. Denn erst vor ungefähr einem Jahr begann für das Reuters-Papier ein beispielloser Aufschwung. Der Ausgangspunkt lag bei einem Kurs von etwa vier Pfund. Bis Anfang des Jahres verdoppelte sich der Kurs. Grund für die Euphorie: Internet-Phantasie. Reuters hatte die Weiterentwicklung seines elektronischen Aktienhandelssystems Instinet vorgestellt. Mit dem lassen sich Wertpapiere an 18 Börsen weltweit virtuell handeln. Schön und gut - nur funktionierte Instinet zuletzt nicht mehr zuverlässig. Prompt strafte der Markt die Aktie der Nachrichtenagentur. Dabei sei Reuters auch ohne Internet für Händler und Anleger stärker, als der Markt glaube, sagt Nigel Cobby von Morgan Stanley Dean Witter in London. Ob die Börse die Aktie ohne Online-Fantasie besser bewerten wird als in den vergangenen fast drei Jahren, in denen der Kurs kaum die Marke von sieben Pfund überwand? Ein Nachteil ist die Euro-Abstinenz Großbritanniens: Der in den vergangenen Jahren hohe Pfundkurs schmälerte die Gewinne auf dem europäischen Festland.

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