Wirtschaft : Das Vorhaben kommt ins Stolpern (Kommentar)

Rolf Obertreis

Die Fusion der beiden größten Börsen Europas kommt ins Stolpern. Das überrascht, nachdem der Zusammenschluss schon weitgehend perfekt zu sein schien. Jetzt gibt es offenbar Ängste auf beiden Seiten: Frankfurt und London befürchten, zu große Zugeständnisse gegenüber dem Partner könnten den jeweiligen Finanzplatz nach unten ziehen. Es gehen zwei Börsen zusammen, die über Jahrhunderte in völlig unterschiedlichen Kulturkreisen entstanden sind. Hinzu kommt: Die Frankfurter Börse gehört zu einem Land, das Mitglied der Europäischen Währungsunion ist und damit auf den Euro setzt. London ist außen vor, der Beitritt Großbritanniens ist noch lange nicht abzusehen. Viele Briten fürchten, dass die neue Börse ihnen den ungeliebten Euro quasi durch die Hintertür ins Land bringen könnte. Denn es wäre schon grotesk, wenn die drittgrößte Börse der Welt künftig in Euro und in Pfund handeln würde. Ein Teil der Kostenvorteile wäre weg. Die Vorbehalte der Kritiker auf beiden Seiten des Kanals sind verständlich. Die beiden Börsen müssen schnell Fakten auf den Tisch legen, die belegen, dass die Fusion auf partnerschaftlicher Grundlage funktioniert. Freilich: Dass sich hierzulande die Kritiker aus dem Aufsichtsrat der Börse erst jetzt zu Wort melden, ist schon verwunderlich. Zum einen weil sie dem Projekt ihren Segen schon gegeben haben, wenn auch nur auf Basis von mündlichen Erläuterungen. Zum anderen, weil sie in der Hauptversammlung der Deutsche Börse AG vor zwei Wochen nicht eine einzige Frage gestellt haben. Überzeugend wirkt die Kritik dadurch nicht.

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