Wirtschaft : Das Wachstum reißt ab

Trendwende im Groß-und Außenhandel erwartet

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Berlin - Die deutsche Wirtschaft wird nach Ansicht des Bundesverbandes des Groß-undAußenhandels (BGA) 2006 lediglich um 1,8 Prozent wachsen. Zwar steigt der Export, traditionell der wichtigste deutsche Wirtschaftszweig, im laufenden Jahr laut BGA-Präsident Anton Börner um über zehn Prozent. Allerdings dürfte der Aufschwung seinen Höhepunkt bereits erreicht haben und „spätestens Anfang 2007 wieder abreißen“, so Börner. Für das kommende Jahr rechnet er mit einem Exportwachstum von deutlich weniger als zehn Prozent und einem Wirtschaftswachstum von nur 1,2 Prozent. Die Gründe hierfür seien das Abkühlen der Weltwirtschaft, die Mehrwertsteuererhöhung zum Jahreswechsel und höhere Zinsen im Euroraum.

Wirtschaftsforscher rechnen mit einem höheren Wachstum als der Verband. Bert Rürup, Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, erwartet ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von zwei Prozent. Banken wie die WestLB waren nach den nach oben korrigierten Konjunkturdaten des Statistischen Bundesamtes vom Montag noch optimistischer. Das Wachstum werde in diesem Jahr bei 2,3 statt wie bisher prognostiziert bei 1,7 Prozent liegen, erklärte das Institut. Die Hypovereinsbank hob ihre Prognose für 2006 von 1,6 auf 2,25 Prozent an. Die Bundesregierung bleibt hingegen bei ihrer Prognose von 1,6 Prozent Wachstum für das laufende Jahr.

In einer aktuellen Umfrage des BGA hatten sich die Unternehmen zwar so positiv wie nie zuvor über ihre aktuelle Geschäftslage geäußert. Allerdings sind die Erwartungen der Unternehmen an die Zukunft schlecht. Der entsprechende Geschäftsklima-Index fiel von 119,3 auf 117,8. Rund drei Viertel der Großhandelsunternehmen stellten sich auf schlechtere Geschäfte ein. Nach Angaben des BGA wird die Branche 2006 zwar um 3,6 Prozent wachsen. Jedoch lag das Umsatzplus im ersten Quartal mit 4,6 Prozent über dem prognostizierten Jahresdurchschnitt.

Die geringeren Wachstumsaussichten sind laut Börner in erster Linie auf die Mehrwertsteuererhöhung und steigende Renten- und Krankenversicherungsbeiträge ab 2007 zurückzuführen. Diese Belastungen würden die gerade wieder aufkeimende private Nachfrage abwürgen. Hinzu käme, dass sich der internationale Handel, vor allem mit den USA, abkühlen werde. Desweiteren machten der Branche die gestiegenen Rohstoffkosten und vor allem das höhere Zinsniveau zu schaffen. BGA-Präsident Börner rechnet damit, dass die Europäische Zentralbank den Leitzins von derzeit drei bis Ende 2007 auf vier Prozent erhöhen wird. Infolgedessen dürfte der Euro-Wechselkurs bis zum Jahresende auf 1,34 und bis Ende 2007 auf über 1,40 Dollar steigen. Höhere Zinsen und ein starker Euro schwächen die Konsumnachfrage und verteuern deutsche Güter im Ausland. Stv

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