Wirtschaft : Das Weihnachtsgeld ist sicher

Viele Unternehmen zahlen in diesem Jahr ein zusätzliches Monatsgehalt. Am großzügigsten sind Banken und Chemiekonzerne

Stefan Kaiser,Daniel Rhee-Piening

Berlin – Die meisten Arbeitnehmer können auch in diesem Jahr mit einem Weihnachtsgeld rechnen – auch wenn es nicht immer am Jahresende gezahlt wird. Nach einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung haben die Unternehmen zudem immer mehr Spielraum bei der Höhe der Sonderzahlung. Die höchsten Weihnachtsgelder erhalten demnach die Beschäftigten in der Bankenbranche, der Süßwarenindustrie und der westdeutschen Chemieindustrie. Sie erhalten 95 bis 100 Prozent eines Monatsgehalts. In der Metallindustrie und im Einzelhandel gibt es dagegen einen vergleichsweise geringen Bonus. Das Sozialwissenschaftliche Institut der Stiftung (WSI) hat dazu Tarifverträge in 23 Branchen ausgewertet.

Je nach wirtschaftlicher Lage sehen die Tarifverträge Schwankungen beim Weihnachtsgeld vor, zum Beispiel in den großen Industriebereichen Metall und Chemie. Dort wird allerdings in der Regel die tariflich vorgesehene Sonderzahlung mit dem Novemberlohn ausgezahlt. Von den 1900 Chemie- und Pharmafirmen machen nur 24 von der Möglichkeit zur Abweichung Gebrauch, der ganz überwiegende Teil zahlt 95 Prozent (im Westen) beziehungsweise 65 Prozent (im Osten). In der Metallindustrie, wo das Weihnachtsgeld in der Regel 55 Prozent (West) und 50 Prozent (Ost) beträgt, weichen von rund 4400 Firmen, die tarifgebunden sind, etwa 200 ab. Diese Unternehmen, denen es in der Regel schlecht geht, kürzen oder streichen also das Weihnachtsgeld.

In der Bankenbranche ist eine Sonderzahlung von einem Monatsgehalt tariflich festgeschrieben, die allerdings nicht zum Jahresende erfolgen muss. „Alles was darüber liegt, wird zunehmend leistungsbezogen gezahlt“, erklärt Jörg Reinbrecht von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. „Wir zahlen gar kein Weihnachtsgeld mehr“, sagt zum Beispiel ein Sprecher der Commerzbank . Stattdessen bekommen die Beschäftigten im Frühjahr einen Sockelbetrag von 500 bis 600 Euro und eine leistungsbezogene Zahlung. Insgesamt können sie so auf zwei zusätzliche Monatsgehälter kommen. Auch bei der Deutschen Bank gibt es eine Leistungskomponente: 100 Prozent eines Monatsgehalts hat jeder sicher, bis zu 300 Prozent sind möglich. Bei Allianz und Dresdner Bank gibt es dagegen für alle 90 Prozent.

Die Deutsche Post zahlt Tarifkräften nach eigenen Angaben 90 bis 100 Prozent eines Monatslohns – gestaffelt je nach Eingruppierung und Betriebszugehörigkeit. Im vergangenen Jahr waren es durchweg 90 Prozent, doch das Lohngefüge hat sich durch neue Tarifvereinbarungen leicht verändert. Postbeamte erhalten 60 Prozent eines Monatslohns.

Auch die großen Arbeitgeber in Berlin zahlen Weihnachtsgeld. Beschäftigte beim Staatskonzern Deutsche Bahn erhalten zusammen mit dem Novemberlohn zusätzlich ein volles 13. Monatsgehalt. „Selbstverständlich wird bei uns ein anteiliges 13. Gehalt gezahlt“, sagt auch ein Sprecher von Siemens . Bei Schering hat die Übernahme durch Bayer nichts am 100-prozentigen Zuschlag geändert. Die Mitarbeiter der Landesbank Berlin und der Sparkasse erhalten im November ebenfalls ein zusätzliches Monatsgehalt. Der in Sanierung befindliche Kaufhauskonzern Karstadt , zu dem auch das KaDeWe gehört, hat bereits im Juni eine Sonderzahlung überwiesen. Zudem gibt es Sachzuwendungen in Höhe von insgesamt 1000 Euro pro Vollzeitbeschäftigten.

Auch Air Berlin splittet das 13. Gehalt. Die Hälfte hat das Unternehmen bereits im Sommer überwiesen, die andere Hälfte komme im Winter, sagte eine Sprecherin. Bei der Wall AG erhalten Angestellte zum Teil sogar ein 14. Monatsgehalt. „Dies ist vertraglich zugesichert“, sagte eine Sprecherin. Für die gewerblichen Mitarbeiter gibt es einen Sockelbetrag sowie Zuschläge pro Jahr der Betriebszugehörigkeit. Dussmann zahlt zwar Weihnachtsgeld, will die Höhe aber nicht verraten. „Wir haben so viele verschiedene Berufsgruppen, ein Durchschnitt lässt sich da einfach nicht nennen“, heißt es. Bei Getränke Hoffmann gibt es zweimal im Jahr eine Sonderzahlung. „Für Weihnachten erhalten die rund 1000 Angestellten 900 Euro“, sagt Geschäftsführer Mario Benedikt. Ihr Geld bereits auf dem Konto haben die Mitarbeiter von Vattenfall (ehemals Bewag). Die Jahresprämie, die mit dem Oktobergehalt überwiesen wird, entspricht etwa 100 Prozent. Leer gehen dagegen die 250 Berliner Mitarbeiter der Solarfirma Solon aus. „Wir haben diese Zuwendung bereits in unsere zwölf Monatsgehälter einkalkuliert“, sagt die Personalleiterin. mit alf/hop/hej

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