• Das Wertpapier der fusionierten Rhône-Poulenc und Hoechst wird in Frankfurt, Paris und New York gehandelt

Wirtschaft : Das Wertpapier der fusionierten Rhône-Poulenc und Hoechst wird in Frankfurt, Paris und New York gehandelt

Siegfried Hofmann

Das neue Börsenkürzel "AVE" wird an diesem Montag erstmals von den Kurstafeln in Frankfurt, Paris und New York grüßen. Ob es eine Erfolgsstory ankündigt oder eher Enttäuschung, bleibt abzuwarten. Die Börse feierte die Fusion von Hoechst und Rhône-Poulenc zwar nicht überschwenglich, demonstrierte zumindest aber verhaltene Zuversicht für das deutsch-französische Pharmabündnis. Immerhin stieg die addierte Marktkapitalisierung der beiden Partner seit Ankündigung der Fusion um mehr als ein Viertel auf zuletzt 50 Milliarden Euro und damit stärker als der Branchendurchschnitt.

Aventis geht als der größte Life-ScienceKonzern der Welt an den Start. Mit schätzungsweise 14 Milliarden Euro Arzneimittel-Umsatz im laufenden Jahr dürfte die Gruppe auf Position Fünf in der Pharmabranche landen und mit 4,8 Milliarden Euro Umsatz bei Pflanzenschutzmitteln und Saatgut auf Rang Zwei im Agrogeschäft - hinter dem geplanten Gemeinschaftsunternehmen Syngenta, in das Novartis und Astra Zeneca ihre Agroaktivitäten ausgliedern wollen.

Allerdings wird Aventis mit einer operativen Rendite von nur 10 Prozent und rund 14,5 Milliarden Euro Finanzschulden einstweilen eher zu den schwächlichen Riesen gehören. Die Kostenstruktur des Konzerns ist deutlich schlechter als bei ähnlich strukturierten Unternehmen und noch ungünstiger im Vergleich zu vielen reinrassigen Pharmafirmen (siehe Glaxo). Zu den Ursachen gehören ein zu breites Produktportfolio sowie zu hohe Verwaltungs- und Fertigungskosten. Gerade darin allerdings verbirgt sich auch das Potenzial für Synergieeffekte. Vorstandsvorsitzender Jürgen Dormann stellt Kostenentlastungen von 1,2 Milliarden Euro und eine jährliche Steigerung des Betriebsgewinns vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 15 Prozent in Aussicht. Kann er diese Prognose tatsächlich einhalten, wird Aventis zwar nicht mit absoluten Werten, aber doch vom Ertragswachstum her zu den führenden Unternehmen der Branche aufschließen. Für operative Fortschritte sprechen auch die aktuellen Zahlen: Sowohl Hoechst als auch Rhône-Poulenc meldeten für die ersten neun Monate im Hauptarbeitsgebiet Pharma Wachstumsraten von mehr als acht Prozent, wobei sich die Entwicklung im dritten Quartal jeweils beschleunigte und insbesondere das US-Geschäft starke Zuwächse verbuchte.

Die entscheidende Herausforderung für das Aventis-Management besteht nun eindeutig darin, die Integration zügig voranzutreiben, ohne dabei das operative Geschäft zu beeinträchtigen. Auch wenn Dormann und sein Stellvertreter Jean-René Fourtou in dieser Hinsicht größte Zuversicht demonstrieren, stehen sie vor einer der schwierigsten Aufgaben, die derzeit in der Branche zu vergeben sind. Alleine im Pharmabereich verfügt Aventis über 80 Werke - bei weitem zu viele für eine effiziente Struktur. Um die erstrebten Synergien zu erzielen, wird man nach Branchenschätzungen 8 000 bis 10 000 Arbeitsplätze abbauen müssen, davon wohl ein Großteil unter politisch schwierigen Bedingungen in Frankreich.

Die Aventis-Fusion folgt der gängigen Theorie, dass im Pharmageschäft Großunternehmen die Oberhand behalten, vor allem aufgrund ihrer Ressourcen in Entwicklung und Marketing. Die anhaltende Konsolidierungswelle und insbesondere die jüngsten Fusions- und Übernahmepläne in den USA scheinen diese Strategie zu bestätigen.

Die Pharmaindustrie reagierte gewissermaßen mit einem Achselzucken auf die Geburt des neuen Konzerns. Konkurrenten interpretieren die Fusion eher als Zweckbündnis relativ schwacher Partner. Als maßgebliche Handicaps von Aventis gelten vor allem die in der Vergangenheit schwache Erfolgsbilanz in Forschung und Entwicklung, die zu erwartenden Reibungsverluste bei der Integration und der drohende Verlust wichtiger Mitarbeiter. "Niemand hat Angst vor Aventis", fasst der Vertreter eines US-Konzerns die Stimmung zusammen. Das Urteil des Analystenlagers fällt deutlich positiver aus. Das hängt auch damit zusammen, dass Aventis gemessen an ihrer Größe relativ niedrig bewertet wird und Chancen birgt für ein deutliches Ertragswachstum.

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