Wirtschaft : „Das wird schnell vorbeigehen“

Aktionärsvertreter und Analysten begrüßen die Wende – jetzt wird die Begründung der Richter erwartet

S. Kaiser/H. Mortsiefer/R. Obertreis

Berlin - Aktionärsvertreter und Finanzmarktexperten haben die absehbare Einstellung des Mannesmann-Verfahrens am Freitag mehrheitlich begrüßt. „Es musste ein Ende gefunden werden, das Schaden von der Deutschen Bank abwendet – dies ist jetzt geschehen“, sagte Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), dem Tagesspiegel. „Das Thema ist durch.“ Wolfgang Gerke, Professor für Bankwesen an der Uni Erlangen-Nürnberg, sagte: „Wenn man bis Februar weitergemacht hätte, wäre nichts Neues dabei herumgekommen.“

Ackermanns Position bei der Deutschen Bank bleibe „unangefochten“, glaubt Hocker. Auch nach Meinung von Klaus Schneider, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), sitzt Ackermann „fest im Sattel“. Schneider findet es hingegen anders als Hocker und Gerke „bedauerlich, dass es nach den deutlichen Worten des Bundesgerichtshofs zu keinem Urteil vor dem Landgericht gekommen ist“. Man warte nun gespannt auf die Begründung der Richter für eine zu erwartende Einstellung des Verfahrens.

Auch aus der Politik kam Kritik: „Ich finde es merkwürdig, dass es in einem solchen Fall von grundlegender Bedeutung eine Verständigung zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung gibt, ohne dass das Gericht beteiligt ist“, sagte der finanzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jörg-Otto Spiller, dem Tagesspiegel.

Die Höhe der Geldauflage von 3,2 Millionen Euro, die Ackermann aus eigener Tasche bezahlen will, bezeichneten Hocker und Gerke angesichts des Einkommens des Deutsche-Bank-Chefs als „vertretbar“. Ackermann habe sich schließlich keinen persönlichen finanziellen Vorteil verschafft, so Gerke. „Nun wird Herr Ackermann sinnvollerweise bleiben“, sagte der Finanzwissenschaftler. „Das ist sehr positiv für die Deutsche Bank“, sagte Konrad Becker, Banken-Analyst bei der Privatbank Merck Finck. „Die jahrelange Diskussion über Ackermanns Position in der Bank ist endlich vom Tisch.“ Ackermann könne sich nun gestärkt dem Tagesgeschäft zuwenden – „wenn er denn überhaupt geschwächt war“, so Becker. Die Kursverluste der Deutsche-Bank-Aktie, die am Freitag 1,7 Prozent auf 100,40 Euro verlor, stehe nicht im Zusammenhang mit dem Mannesmann-Prozess. „Die Bedeutung des Verfahrens war und ist geringer, als man angenommen hat“, sagte der Analyst. Der Aktienmarkt leide insgesamt unter Gewinnmitnahmen, alle Finanzwerte stünden unter Verkaufsdruck.

In Bankenkreisen stieß die Wende im Mannesmann-Prozess auf ein gemischtes Echo: „Ich konnte erst gar nicht glauben, was da über den Bildschirm flimmerte“, sagte ein Manager der Commerzbank. „Ein Jahr lang haben sich die Staatsanwälte auf diesen Prozess vorbereitet, bis Januar 2007 Zeugen bestellt, und jetzt ist es schon nach vier Wochen vorbei.“ Ein anderer Banker meinte: „Das Verfahren war darauf angelegt, auf diese Weise zu enden. Jeder hatte damit gerechnet.“ Dauerhaft beschädigt sei Ackermann aber nicht, waren sich die Banker einig. „Das wird schnell vorbeigehen.“

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