Wirtschaft : Dasa erntet den Vorwurf des "Ausverkaufs"

Konkurrenz kritisiert die geplante Kooperation mit Lagardère

NÜRNBERG(dpa).Der Nürnberger Rüstungskonzern Diehl hat die Daimler-Benz-Aerospace AG (Dasa) wegen ihrer geplanten Lenkwaffen-Kooperation mit dem französischen Lagardère-Konzern scharf kritisiert."Was jetzt im Lenkflugkörperbereich passiert, ist der einseitige Ausverkauf deutscher Technologie ins Ausland", sagte Thomas Diehl, Vorsitzender der Geschäftsführung, der Zeitung "Die Welt".Zwar würden europäische Kooperationen im Rüstungsbereich gebraucht, doch zunächst sollten die nationalen Geschäfte in Deutschland konsolidiert werden, sagte Diehl."Das hat ja auch die Dasa immer wieder gepredigt ­ jetzt bricht sie mit ihren eigenen Grundsätzen." Der Rüstungskonzern Diehl und die Dasa hatten seit Jahren versucht, das Lenkwaffengeschäft der beiden Unternehmen zu vereinen.Gespräche darüber waren jedoch immer wieder gescheitert. "Bei einer Zusammenarbeit hätte die unternehmerische Führung bei uns liegen müssen", sagte Diehl.Die Dasa schiebe ihr Lenkflugkörpergeschäft nach Gutdünken hin und her.Diehl verfüge in diesem Bereich über mehr technologisches Know-how und größere unternehmerische Kompetenz als die Dasa.Negative Auswirkungen befürchtet das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 2,7 Mrd.DM und einem Wehrtechnikanteil von etwa 30 Prozent durch die neue Situation nicht. Die Dasa, mit 13,05 Mrd.DM Umsatz Deutschlands größtes Luft- und Raumfahrtunternehmen, will ihr gesamtes Raumfahrtgeschäft über eine Kooperation mit Lagardere (Matra) in ein deutsch-französisch-britisches Gemeinschaftsunternehmen einbringen.Der neue Raumfahrtriese mit 50 Prozent Dasa-Anteil hätte 5 Mrd.DM Umsatz. Im Lenkwaffenbereich will die Dasa der französisch-britischen Matra BAe Dynamics (MBD) einen 30-Prozent-Anteil an ihrer Lenkwaffentochter LFK verkaufen.Ursprünglich sollte die LFK in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem französischen Luftfahrtkonzern Aerospatiale zusammengelegt werden.In früheren Jahren waren in der Lenkwaffensparte über 5000 Mitarbeiter tätig, heute sind es 1600, Tendenz fallend.Nach Angaben der Dasa erhalte die "aufgrund anhaltend restriktiver deutscher Verteidigungsausgaben an die Grenze wirtschaftlich kritischer Größenordnung geratene" LFK durch den Einstieg von MBD "Zugang zu neuen Märkten". Unterdessen hat sich auch die Dornier-Familie zu Wort ge,meldet.Martine Dornier-Tiefenthaler Martine Dornier-Tiefenthaler sagte gegenüber Reuters, die Pläne der Dasa gefährdeten den Fortbestand der Dornier GmbH, an der Dornier-Familienmitglieder zusammen mit gut 42 Prozent beteiligt seien.Eine Zerschlagung von Dornier "wird sicher nicht stattfinden".

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