Wirtschaft : Dasa flog 1998 Umsatz- und Gewinnrekorde ein

THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN

MÜNCHEN .Die DaimlerChrysler Aerospace (Dasa) AG sieht sich trotz des Zusammenrückens in der britischen Luft- und Raumfahrtindustrie immer noch in einer "ausgezeichneten Position" für europaweite Fusionen in der Branche."Wir fühlen uns nicht als Schrumpf-Germanen", sagte Dasa-Chef Manfred Bischoff in München über künftige Größenverhältnisse zwischen deutschen, französischen und britischen Konzernen.Ohne Mitsprache und Entscheidungsrechte für die Dasa gebe es keine Neuordnung der Branche in Europa.Erste Priorität habe weiter ein alle Luft- und Raumfahrtteile umfassender transeuropäischer Konzern, sagte Bischoff.Nach dem Alleingang der Briten auf nationaler Ebene sei das aber erschwert.Die Dominanz einer Nation sei mit dem Gedanken eines Europa-Konzerns nicht verträglich.Auch der geplante Umbau des Airbus-Konsortiums zur Aktiengesellschaft könne unter der britischen Entscheidung leiden und sich verzögern.Außerhalb Großbritanniens kann sich Bischoff viele Fusionsvarianten vorstellen.In Europa sieht er vor allem Frankreichs Aerospatiale als Partner, aber nur auf Basis privatwirtschaftlicher Strukturen.Der französische Staat müßte seine Beteiligung an der Luft- und Raumfahrtgruppe also aufgeben.Mit Aerospatiale verbinde die Dasa mehr als mit der anderen dortigen Branchengröße Thomson-CSF.

Bischoff zeigte aber auch Interesse an Luft- und Raumfahrtkonzernen in Italien, Spanien und Schweden.So steht Italiens Finmeccanica-Gruppe mit ihrem Herzstück Alenia vor einer Privatisierung.Am spanischen Airbus-Partner Casa sind die Deutschen schon geringfügig beteiligt.Auch zu schwedischen Konzernen könne man die Beziehungen ausbauen.Nicht zuletzt habe die Dasa durch ihre amerikanische Zweitmutter Chrysler auch eine transatlantische Option.Dort könnten Lockheed, Raytheon und Northrop Grummon mögliche Partner sein.Konkrete Verhandlungspartner wollte Bischoff nicht nennen.

Auch nach der angekündigten Übernahme der britischen GEC Marconi durch die British Aerospace (BAe) bleibe die Dasa ein umworbener Partner, betonte der Manager.Handlungsdruck sehe er nicht.Jedoch könne die Bundesregierung durch Staatsaufträge helfen, das Gewicht der Dasa zu stärken."Wir schließen überhaupt keine Möglichkeit aus," sagte Bischoff zu Fusionsmodellen.Nur mit der BAe sei ein Zusammengehen auf Sicht unmöglich geworden.Man könne den Dasa-Aktionären nicht zumuten, die finanziellen Lasten, die sich die BAe nun wegen des "dramatisch überbezahlten" Marconi-Kaufs aufgeladen habe, mitzutragen.In einer angeblich komfortablen Position sieht Bischoff seinen Konzern auch, weil er ein Rekordjahr 1998 vorweisen kann.So gebe es im Umsatz mit einem Plus von zwölf Prozent auf 17,2 Mrd.DM und im Auftragseingang mit einem Zuwachs von 39 Prozent auf 27 Mrd.DM neue Höchstwerte.Etwa ein Drittel davon entfällt auf Rüstung.Auch der operative Gewinn liege "substantiell" über Vorjahr.Bereits nach neun Monaten hätten die Profite mit knapp 600 Mill.DM den gesamten Vorjahreswert von 432 Mill.DM weit übertroffen.

Auch das Personal profitiert von den Rekorden.1998 hat die Dasa nach starkem Abbau in den vorangegangenen Jahren erstmals wieder 1600 Stellen geschaffen.Ende 1998 beschäftigte sie knapp 46 000 Mitarbeiter.Im laufenden Jahr wolle man weitere rund 800 Ingenieure einstellen.Auch bei einem für 1999 erwarteten Abflauen der Branchenkonjunktur werde es dank eines flexiblen Zusatztarifvertrags keine Personaleinschnitte geben.Der Aufwind bei der Dasa geht vor allem auf einen Boom beim Airbus und das Anlaufen der Eurofighter-Serienfertigung zurück.Eine Rekordbestellung von 556 (Vorjahr 460) Airbus-Flugzeugen habe dem Konsortium einen Marktanteil von 46 Prozent gebracht.Airbus und Boeing teilen sich praktisch den Weltmarkt, betonte Bischoff.Der Aufschwung habe 1998 alle Dasa-Geschäfte erfaßt."Auch 1999 bleiben wir auf Erfolgskurs," versicherte Bischoff.Allein das Auftragspolster beim Airbus reiche bis ins Jahr 2004.

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