Wirtschaft : Davos-Forum für bessere Kontrolle der Finanzmärkte

Rexrodt gegen Krisenstab / Einfluß der Asienkrise auf EU gering DAVOS (dpa).Als Konsequenz aus der Krise in Asien müssen die internationalen Finanzmärkte nach Auffassung von Konzernchefs und Experten besser kontrolliert werden.Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos forderten sie am Freitag ein wirkungsvolles Überwachungssystem.Wirtschaftsminister Günter Rexrodt sprach sich jedoch gegen neue Steuerinstrumente und einen Krisenstab in seinem Ministerium aus.Nach Ansicht des Vorstandssprechers der Commerzbank, Martin Kohlhaussen, steckt die Kontrolle der Märkte noch in den Kinderschuhen."Aber ich bin gegen eine neue bürokratische Institution", sagte Kohlhaussen.Mit anderen Experten rief er Japan zu Strukturreformen mit Signalwirkung auf. Rexrodt wies die Forderung der SPD nach einem Krisenstab im Wirtschaftsministerium zurück."Wir sollten Krisenszenarien aus Asien nicht dazu mißbrauchen, uns im Wahlkampf zu profilieren und uns mit den verschiedensten Szenarien als Politiker zu empfehlen, die das Krisenmanagement in der Hand haben", sagte Rexrodt der dpa.Das Ministerium sei bereit, in Fernost engagierte Unternehmen zu beraten. Nach Auffassung von Kohlhaussen müssen Organisationen wie der Internationale Währungsfonds aber auch die Zentralbanken als Kontrollinstanzen der Märkte gestärkt werden.Zudem müsse es aus den asiatischen Ländern verläßlichere Wirtschaftsdaten geben.Der stellvertretende japanische Finanzminister Eisuke Sakakibara räumte ein, daß Japan zwar sein Finanzsystem dereguliert, aber noch keine Infrastruktur zur Überwachung der Finanzaktivitäten geschaffen habe. Kohlhaussen forderte Japan auf, eine Vorreiterrolle bei der Bewältigung der asiatischen Krise zu übernehmen."Ich hoffe, daß Japan seine Verantwortung sieht." Japan habe die Weltwirtschaft zu lange als Einbahnstraße gesehen, aber es sei ein Prozeß des Gebens und Nehmens, mahnte Kohlhaussen.Auch der US-Ökonom Rudiger Dornbusch sagte, eine schlecht geführte Regierung sei die Wurzel allen Übels.Er forderte Japan zu nachhaltigen Steuerkürzungen auf.Die Auswirkung der asiatischen Wirtschaftskrise auf Europa und die USA wird auf dem Forum als gering angesehen.Rexrodt bleibt bei der Regierungsprognose von 2,5 bis drei Prozent Wirtschaftswachstum 1998."Aber ich räume ein, daß von der asiatischen Entwicklung bremsende Effekte ausgehen." Der Commerzbank-Chef erwartet in Europa Wachstumseinbußen von einem Viertel Prozentpunkt.Deryck Maughan von der US-Investmentbank Salomon Smith Barney warnte davor, den Asien-Effekt auf Europa und die USA überzubewerten.Er erwartet in Europa 1997 ein moderates Wachstum von 2,5 Prozent und in den USA von 2,6 Prozent.Auch bei der Inflation sieht er keine Gefahren und schätzt sie in Europa auf 2,1 Prozent und auf 1,6 Prozent in den USA. Rußlands erster stellvertretender Ministerpräsident Anatoli Tschubais verteidigte in Davos die kräftige Erhöhung der Geldmarktzinsen und des Lombardsatzes.Tschubais versicherte, die Zinsanhebung solle den Rubel schützen und werde wohl schon bald zurückgenommen werden können.Rußlands Finanzsystem gehe jedenfalls "keiner Krise" entgegen.Die Zentralbank hatte die Geldmarktzinsen von 28 auf 42 Prozent und den Lombardsatz von 36 auf 42 Prozent angehoben.Bis zum Jahresende könnte ein Zinssatz von 15 Prozent erreicht werden, hofft Tschubais.Sorgen bereite allerdings der Niedergang der asiatischen Finanzmärkte, der im November und Dezember Kapitalabflüsse von vier Mrd.Dollar ausgelöst habe.Doch selbst damit sei die Kapitalbasis des Finanzmarktes 1997 noch 70 Prozent breiter als im Vorjahr gewesen.1997 sei das Bruttoinlandsprodukt um 0,4 Prozent gestiegen.Damit habe Rußland das erste Wachstum nach über acht Jahren verbucht.Das laufende Jahr werde eine weitere Steigerung bringen.

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