Dax-Absturz : Alles auf Anfang

Nach dem Sturz unter 6000 Punkte findet der Dax auch am Dienstag keinen Halt. Die Risiken sind zahlreich, die Verunsicherung groß. Anleger müssen sich auf stark schwankende Kurse einstellen.

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Kopfschmerz. Erstmals seit fünf Monaten ist der Dax am Montag unter die Marke von 6000 Punkten gefallen.
Kopfschmerz. Erstmals seit fünf Monaten ist der Dax am Montag unter die Marke von 6000 Punkten gefallen.Foto: dpa

Wer sein Geld in Aktien investiert hat, muss auch in den kommenden Monaten starke Nerven haben. „Wir müssen uns damit abfinden, dass die wirtschaftliche Entwicklung nach der Lehman-Krise instabil bleibt“, sagt Thomas Meyer, bis vor kurzem Chefvolkswirt der Deutschen Bank und jetzt Berater des Geldhauses. „Das ist wie Fliegen in geringer Höhe, da gibt es immer wieder Luftlöcher und die Maschine sackt ab – aber sie stürzt nicht vom Himmel.“

Am Montag jedenfalls waren die Kurse am Aktienmarkt tief gesunken – und zwar unter die Marke von 6000 Punkten. Aus dem Handel ging er bei 5978 Punkten – mit einem Minus von 1,2 Prozent. Damit lag der wichtigste deutsche Index nur noch knapp 80 Zähler über seinem Vorjahres- Schlusskurs. Am Dienstagvormittag setzte er seine Talfahrt fort. Seinen Gewinn von rund 18 Prozent seit Jahresbeginn – das war immerhin das größte Kursplus in einem ersten Quartal seit 1998 – hat der Index damit binnen weniger Wochen fast komplett wieder aufgezehrt.

Der Markt reagierte am Montag auf schlechte Konjunkturdaten aus den USA und China und auf die Sorge, dass die Schuldenkrise in Europa eskaliert. In den Augen von Volkswirt Mayer sind die Konjunkturaussichten für die USA und China jedoch nicht so schlecht. „In den USA deuten etwa die Kreditindikatoren darauf hin, dass wir dort ein robustes Wachstum sehen werden. Die Sorge um China ist verständlich, aber dort erwarten wir Stimulierungsmaßnahmen der Regierung, so dass auch dort weiteres Wachstum zu erwarten ist.“ Beides sei wichtig für die deutsche Exportwirtschaft. „Ich gehe davon aus, dass wir an einer globalen Rezession vorbeikommen“, sagt Meyer. „Die Rezession wird sich auf den Südteil der Euro-Zone beschränken, damit kann die Welt leben.“ Dass Spanien bald in eine ähnliche Lage geraten wird wie Griechenland, befürchtet Mayer nicht. „Spanien ist in einer vollkommen anderen Situation, hier liegt das Problem vor allem im Bankensektor, in den sich die spanische Regierung nicht hineinreden lassen will.“ Die Mittel, um die Probleme der spanischen Banken zu lösen, seien jedoch vorhanden. „Damit wäre dann ein Großteil der spanischen Probleme gelöst. Bei den spanischen Exporten jedenfalls zeigen sich die ersten Lichtblicke.“

Auch Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank, sagt: „Spanien steht es jederzeit offen, die Hilfe des Euro-Rettungsfonds ESM in Anspruch zu nehmen. Das Geld ist da.“ Inzwischen seien die notwendigen Werkzeuge geschaffen. Allerdings können die Banken nicht direkt Geld aus dem Euro-Rettungsfonds erhalten. EU-Währungskommissar Olli Rehn hat das zwar vorgeschlagen. Dies sei eine „ernsthafte Möglichkeit“, um die Lage der Banken von der Staatsschuldenkrise abzukoppeln. Derzeit können nur Staaten, aber keine Banken Hilfe erhalten. Bisher lehnt die Bundesregierung direkte Rettungsmaßnahmen der Euro-Krisenfonds EFSF und ESM für Banken jedoch strikt ab.

Bielmeier geht davon aus, dass die Zukunft des Euro immer weniger in Brüssel als vielmehr in den nationalen Parlamenten entschieden wird. Dabei verweist er auf die jüngsten Wahlen in Frankreich und die Wahlen in Italien und Deutschland im kommenden Jahr. Bielmeier bleibt jedoch Optimist: „Ich gehe davon aus, dass der Euro Bestand hat.“ Allerdings werde die deutsche Wirtschaft die Wachstumsdynamik des ersten Quartals nicht halten können. „Insgesamt ist die deutsche Wirtschaft sehr gesund aufgestellt und hat sich damit in der Euro-Zone eine Sonderrolle erarbeitet“, sagt Bielmeier. „Wenn sich die Euro-Krise jedoch verschärft, wird sich Deutschland davon nicht loslösen können.“

Jan Hagen, Finanzexperte der European School of Management and Technology in Berlin, sagt, dass die ersten Unternehmen bereits von sinkenden Auftragseingängen berichten. „Die guten Exporterfolge werden sich so wohl nicht fortsetzen lassen.“ Das würde sich dann negativ auf den Aktienmarkt niederschlagen. Allerdings fehle es angesichts der niedrigen Zinsen an lukrativen Alternativen zur Aktie. Hagen erwartet, dass sich der Aktienmarkt in den kommenden Monaten seitwärts bewegen wird, also weder deutlich zulegen noch absinken wird. „Dass am Montag die Marke von 6000 Punkten für kurze Zeit unterschritten wurde, ist kein Signal für eine lange tiefe Talfahrt“, sagt Hagen.

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