Wirtschaft : Dax bereitet Fonds-Profis Kopfzerbrechen

ANKE REZMER (HB)

Fidelity, weltweit größter Vermögensverwalter, tut sich mit seinem Deutschland-Fonds noch schwerVON ANKE REZMER (HB)

Alexandra Edzard hofft, daß sich guter Stil durchsetzt.Das hat die 30jährige Deutsche in ihrer fünfjährigen Lehrzeit bei der Deutschen Bank in London und Hongkong von angelsächsischen Analysten gelernt: Wer langfristig denkt und eine Strategie - im Fachjargon "Anlagestil" - durchhält, ist am Ende der Sieger.Diese Philosophie, mit distanziertem Lächeln vorgetragen, dient auch zur Rechtfertigung kurzfristiger Schwächen beim Aktienfonds Fidelity German Fund, den Edzard seit knapp zwei Jahren managt.Denn mit ihrer Performance 1997 von 26,6 Prozent bis Ende Oktober ist die Bankkauffrau nicht zufrieden.Sie liegt damit um 2,9 Prozent unterhalb des Dax 100-Plus, ihrer Orientierungsmarke.In den vergangenen 12 Monaten verfehlte sie mit plus 36,4 Prozent den Index um 1,8 Punkte.Und hinter den Deutschlandfonds großer heimischer Gesellschaften wie Adig, DIT und Union hinkt Edzard um über acht Punkte hinterher. "1996 lief besser", sagt sie in einem "Handelsblatt"-Gespräch.Da habe sie den Index mit plus 27,9 Prozent um 3,7 Punkte geschlagen.Der Grund für die Flaute 1997: "Ich bin zu langsam aus der Chemie und den Versorgern rausgegangen." Die Entwicklung aller deutschen Aktienfonds, die sich als Kern eines Wertpapierdepots oder für die Altersvorsorge eignen, hängt an der Frage: Wohin geht der Dax? Edzard ist vorsichtig: "Wenn Sie mir sagen, wohin der Dollar ..." Ihr Krisen-Konzept: Seit September hält Edzard mit 5 Prozent soviel Kasse, wie ihr erlaubt ist; normal sei ein Prozent.Zudem durchforstet sie Aktie für Aktie ihres Portfolios nach Werten, die Kauftitel waren, weil Asien oder Südamerika den Firmen Gewinne brachten.Wenn der Wert nicht mehr stimme: Raus. Generell schichtet die Managerin ihr Depot im Wert von 115 Mill.DM einmal pro Jahr um.Zur Einschätzung des Marktes arbeitet sie in London mit den 44 Fidelity-Aktienanalysten für Europa zusammen.Die Aktien-Researcher des US-Fondsriesen, der 629 Mrd.Dollar verwaltet, arbeiten branchenorientiert.Daher gewichtet Edzard ihren Deutschland-Fonds auch über die Branchen hinweg neutral.Im Fonds sind derzeit Finanztitel am stärksten vertreten, es folgen Konsumgüter, Roh- und Werkstoffe, Dienstleistungen, Investitionsgüter und Energie.Ein weiteres Prinzip der Fidelity-Frau: Das Management jedes Betriebes in ihrem Fonds hat sie gesehen.Analysten und Fondsmanager besuchen große Firmen alle 90 Tage.Fremdanalysen zieht sie nur zum Vergleich heran. Zu Edzards Lieblingstiteln gehören SAP, mit 3,8 Prozent des Fondsvermögens der achtgrößte Wert im Depot, und der Pharmagroßhändler Gehe.Der größte Bestand im Germany Fund ist allerdings mit Abstand Allianz mit 10,1 Prozent des Vermögens; Ende 1996 waren es erst 7 Prozent.Allianz dürfte immer zu ihrer Top Ten gehören, denn der Wert macht 10 Prozent vom Dax 100 aus.Edzard bildet den Index zwar nicht komplett ab, kauft aber die meisten ihrer 47 Fondstitel im Verhältnis dazu.Dazu stellt sie Werte, die nicht im Dax 100 sind.Sie verfolgt bei der Auswahl eher Wachstums- als Renditeziele.Optimistisch beurteilt die Fidelity-Frau deutsche Finanzdienstleister.Die Deutsche Bank-Aktie ist im Fonds die drittstärkste, die der Dresdner Bank auf Platz zehn.Die Pharma-Sparte hält die Managerin für attraktiver als die Chemie: Seit Mitte 1996 zeichne sich ab, daß hier das Überangebot auf Margen drücke.Generell will Edzard Titel zwei Jahre halten: Erreicht eine Aktie jedoch früher den ermittelten Zielpreis, ohne daß höhere Gewinnerwartungen die Größe hochdrücken, verkauft sie kurzfristig.Zudem sucht sie Firmen mit attraktiver Langfriststrategie.Mit dem Konzept "soll 1998 besser werden".Weil der Anlagestil stimmt.

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