Wirtschaft : Dax erreicht die 6000

Das deutsche Börsenbarometer, der Dax, hat am Mittwoch erstmals in seiner zehnjährigen Geschichte sowohl im Parketthandel als auch im Computerhandel zumindest für kurze Zeit die Marke von 6000 Punkten überschritten.Daniel Rhée-Piening sprach mit Klaus Reimer, Aktienstratege bei der Bankgesellschaft Berlin, über die weitere Entwicklung und die Risiken.

TAGESSPIEGEL: Wie geht die Entwicklung an den deutschen Börsen weiter? Wird sich der Dax dauerhaft über der Grenze von 6000 Punkten halten?

REIMER: Das ist eine Frage des Zeithorizonts.Zum Jahresende sehen wir den Dax bei 5700 Punkten oder sogar ein wenig darunter.

TAGESSPIEGEL: Warum diese Abwärtsbewegung? Sind die Märkte derzeit überhitzt?

REIMER: Gemessen an den gängigen Bewertungsmaßstäben, etwa dem Kurs-Gewinnverhältnis, sind die deutschen Aktien derzeit überbewertet.Man darf auch nicht die Krise in Japan vergessen.Noch ist nicht genau ersichtlich, wie dort die Entwicklung weitergeht, und wie die Regierung in Tokio konkret gegensteuern wird.Auch China könnte noch mit hineingezogen werden.

TAGESSPIEGEL: Sollten die Anleger ihre Gewinne also jetzt mitnehmen und in festverzinsliche Wertpapiere investieren?

REIMER: Auch dies ist eine Frage des Zeithorizonts.Das fundamentale Umfeld für Aktien stimmt ja durchaus.Die Renditen befinden sich auf einem historischen Tief.Eine Zinsänderung durch die Deutsche Bundesbank ist nicht in Sicht und die Unternehmenserträge entwickeln sich ausgesprochen gut.Mitte des kommenden Jahres könnte der Dax schon wieder bei 6500 Punkten stehen.Da die Börse die Entwicklung vorausnimmt, werden dann auch die erwarteten Unternehmsgewinne im Jahr 2000 berücksichtigt.Diese könnte nach unserer Schätzung gegenüber 1999 um einen zweistelligen Prozentsatz steigen.Ich möchte aber noch darauf hinweisen, das der Trend bei der Aktienanlage in Richtung einer Europäisierung geht.

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