Dax : Gewinne der Konzerne brechen ein

Die Dax-Unternehmen haben im ersten Quartal fast ein Drittel weniger verdient. Auch Tui und RWE melden schwächere Ergebnisse.

Moritz Döbler
RWE
Dicke Wolken über den Konzernen: Auch bei RWE. -Foto: Vario

Berlin - Die Finanzkrise schlägt voll auf die deutschen Konzerne durch. Die 30 größten börsennotierten Unternehmen haben im ersten Quartal 30,8 Prozent weniger verdient als ein Jahr zuvor, hat der Tagesspiegel errechnet. Der Gewinn vor Steuern sank bei den Dax-Mitgliedern von 32,5 auf 22,5 Milliarden Euro (siehe Tabelle unten). Damit tragen sie nur begrenzt zum anhaltend starken Wirtschaftswachstum bei, das im ersten Quartal mit 1,5 Prozent so hoch war wie seit zwölf Jahren nicht.

Holger Schmieding, Chef-Volkswirt Europa der Bank of America, sieht die Gewinneinbußen und das hohe Wachstum nicht als Gegensätze. „Die Weltkonjunktur wird rauer, und das zeigt sich jetzt bei den Konzernen. Ich erwarte, dass die Gewinne in den nächsten Quartalen weiter abnehmen“, sagte Schmieding dem Tagesspiegel. „Auch das Wirtschaftswachstum wird deutlich abnehmen.“

Von den Gewinneinbrüchen wurde die Bankenbranche besonders hart getroffen, aber auch Daimler, BMW und Siemens bekamen die Finanzkrise und den schwachen Dollar zu spüren. Dagegen steigerte Volkswagen das Ergebnis um mehr als ein Viertel. Deutliche Zuwächse meldeten auch Adidas, Bayer, BASF, MAN, Merck und Thyssen-Krupp. Die Daten des ersten Quartals dokumentieren auch, dass die deutschen Großkonzerne zwar immer mehr Mitarbeiter beschäftigen, aber vor allem im Ausland (siehe Grafik). Die Zahl der Beschäftigten der Dax-Konzerne im Inland sank um 1,4 Prozent auf 1,63 Millionen, während sie im Ausland um 7,6 Prozent auf 2,11 Millionen stieg. Der Anteil der Inlandsbeschäftigten sank von 45,7 auf 43,5 Prozent. Die Konzerne hatten also am starken Abbau der Arbeitslosigkeit in Deutschland keinen Anteil.

Am Donnerstag legten die letzten beiden Dax-Konzerne ihre Zwischenberichte vor: die Tui und RWE. Der Touristik- und Schifffahrtskonzern vergrößerte seinen Verlust vor Steuern um fast 40 Prozent auf 381 Millionen Euro. Unterm Strich sank das Konzernergebnis sogar um rund 165 Prozent auf minus 278 Millionen Euro. Darin seien Belastungen aus der Fusion der Touristiksparte mit dem britischen Reiseanbieter First Choice von 69 Millionen Euro enthalten, teilte das Unternehmen in Hannover mit. Das erste Quartal ist bei Tui traditionell mit Verlusten belastet, weil der Konzern Vorleistungen für die Reisesaison im Sommer erbringen muss.

Auch der Essener Energiekonzern RWE startete mit einem Ergebnisrückgang ins Jahr. In den ersten drei Monaten sank der Gewinn vor Steuern um knapp 13 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro, während der Umsatz um drei Prozent auf 13,4 Milliarden Euro stieg.

Dem zweitgrößten deutschen Energiekonzern sind die Kunden nach den jüngsten Preiserhöhungen davongelaufen. Allein im neuen Jahr verlor die Tochter RWE Energy rund 200 000 Kunden, hieß es. Trotzdem stellte Finanzvorstand Rolf Pohlig am Donnerstag weitere Preiserhöhungen in den beiden nächsten Jahren in Aussicht und verwies auf steigende Rohstoffpreise. Der Düsseldorfer Rivale und Marktführer Eon hält den Kundenschwund mit seiner Onlinetochter „E – wie einfach“ auf, verzeichnete im ersten Quartal aber ebenfalls einen Ergebniseinbruch: Der Gewinn vor Steuern sank um 27 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro.

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