Wirtschaft : Dax im Sturm

Veronika Csizi

Es waren nicht das – aus Sicht der Börsianer – enttäuschende Wahlergebnis oder die Zinserhöhung der US-Notenbank. Im Fokus der Finanzmärkte standen im September die amerikanischen Wetterkarten. Befürchtungen, auch der zweite Hurrikan „Rita“ könnte ähnliche Verwüstungen wie zuvor „Katrina“ anrichten, drückten den Deutschen Aktienindex (Dax) zur Monatsmitte bis auf 4817 Punkte. Als schließlich klar war, dass die Schäden vergleichsweise gering ausfallen würden, drehte die Marktstimmung. Binnen kürzester Zeit sprang der Dax auf ein neues Jahreshoch bei 5056 Punkten. Am Monatsende sind, so die Stimmungsdaten der Deutschen Börse und der Firma Cognitrend, 65 Prozent der Marktteilnehmer „bullish“ (auf steigende Kurse eingestellt) – das sind 24 Prozent mehr als eine Woche zuvor. Das Lager der (pessimistischen) Bären schmolz dagegen um 19 auf 20 Prozent rapide ab.

In den als „Crash-Monat“ gefürchteten Oktober geht der deutsche Leitindex nun bei einem Stand von 5043 Punkten – 4,4 Prozent höher als Ende August. Erneut hat der Dax damit die großen US-Indizes deutlich übertroffen. Der Dow Jones legte im September 1,3 Prozent, der Technologie-Index Nasdaq 1,5 Prozent zu. Stärkstes Zugpferd im Dax war im September der Volkswagen-Konzern, der seinen Börsenwert um ein gutes Fünftel steigern konnte. Gerüchte über Käufe internationaler Spekulanten und einen geplanten Einstieg des US-Milliardärs Kirk Kerkorian hatten das Papier seit dem Frühjahr um nahezu 70 Prozent beschleunigt. Erst die überraschende Ankündigung von Porsche, zum Schutz vor Hedge-Fonds 20 Prozent an VW erwerben zu wollen, beendete den Höhenflug vorerst.

Auch die beiden anderen Autowerte, Daimler-Chrysler und BMW, behaupteten sich gut. Die neben VW kräftigsten Kursgewinne verbuchten die Deutsche Bank, Thyssen-Krupp und die BASF. Mit roten Vorzeichen gehen nur sechs der 30 Dax-Werte in den Oktober – darunter die Telekom, die Post und Tui. Die Leihgebühren für Aktien des Reisekonzerns waren zuletzt stark gestiegen, ein Hinweis darauf, dass Hedge-Fonds die jüngste Kapitalerhöhung zum Kauf der Reederei CP Ships für Leerverkäufe nutzten und damit die Kurse des Tourismuskonzern unter Druck setzten.

Nach der überraschend schnellen Erholung der europäischen Aktienmärkte werde die Stimmung auch im Herbst positiv bleiben, so die Commerzbank. Auch die DZ Bank glaubt an eine Fortsetzung der Rallye. Charttechnisch sei ein Anstieg bis auf 5400 Punkte nicht unrealistisch. Hauptrisikofaktor für die kommenden Wochen bleiben nach Ansicht der meisten Marktbeobachter die Ölpreise sowie die anstehende Berichtssaison der US-Wirtschaft zum dritten Quartal. Enttäuschungen und Gewinnwarnungen seien mit den gestiegenen Energiepreisen wahrscheinlicher geworden.

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