Wirtschaft : Dax scheitert an der letzten Hürde

Veronika Csizi

Berlin - Bis auf knapp zehn Punkte hatte sich der Dax im August an die Marke von 5000 Punkten herangearbeitet. Den Sprung über die psychologisch wichtige Hürde schaffte er jedoch nicht. Vorerst, wie die meisten Banken meinen. Denn auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten sehen die meisten Analysten die 5000-Punkte-Marke fallen. Während die Deutsche Bank bis Sommer 2006 Kurse von 5200 Punkten prognostiziert, sind Hypo-Vereinsbank (HVB) und ING BHF-Bank noch optimistischer: 5400 Zähler, so etwa ING BHF, seien bis Februar auf der Kurstafel möglich. Zuvor allerdings erwartet die Bank eine Schwächephase mit stärkeren Schwankungen, was aber „kein Grund zur Beunruhigung“ sei. Die HVB geht für die kommenden vier Wochen von Kursrückgängen bis auf 4700 Punkte aus.

Davon war der Dax bereits im August nicht weit entfernt: Rechtzeitig vor dem Angstmonat September – dem statistisch schlechtesten Börsenmonat des Jahres – nahmen die Anleger in der zweiten Monatshälfte auf breiter Front Gewinne mit, drückten den Dax bis auf ein Monatstief von 4730 Punkten. Nach einem Anstieg um 730 Punkte oder 17 Prozent seit Jahresanfang zahlten sich Verkäufe aus. Den Anlass lieferte vor allem der explodierende Ölpreis, den Hurrikan Katrina auf knapp 71 Dollar je Barrel gejagt hatte. Zudem bremsten das gefallene US-Verbrauchervertrauen und der leichte Rückgang beim Ifo-Geschäftsklima-Index die Anleger. Zum Monatsende erholte sich der Dax wieder auf 4829 Punkte. Trotzdem blieb der August mit minus 1,2 Prozent nach drei starken Monaten im roten Bereich. Gemessen am August-Hoch summiert sich das Minus sogar auf 3,2 Prozent.

Die Hauptlast des Dax-Rückgangs im August trugen neben der Tui, der neben dem Ölpreis die geplante Kapitalerhöhung zum Kauf der Reederei CPShips zu schaffen machte, Infineon, Deutsche Telekom und BMW.

Während BMW wegen gesunkener Gewinne und Umsätze den Rückwärtsgang einlegte, erfreute hingegen Daimler-Chrysler die Aktionäre mit einem kräftigen Kursgewinn. Das Plus führten Analysten vor allem auf den geplanten Rücktritt von Konzernchef Schrempp und den massiven Einstieg von Hedge-Fonds zurück, die angeblich bereits 20 Prozent an dem Autokonzern halten. Sie spekulieren damit auf eine schnelle operative Sanierung des Konzerns durch den designierten Chef Dieter Zetsche. An die Dax-Spitze setzte sich die Commerzbank. Auch bei der drittgrößten deutschen Bank sollen sich massiv Hedge-Fonds breit gemacht haben, da sie nach dem Zusammenschluss von HVB und der italienischen Unicredito das letzte große deutsche Kreditinstitut ist, das noch für eine Übernahme zur Verfügung steht. Altana punktete auf Platz zwei mit der geplanten Abspaltung seiner Chemiesparte, die auch an die Börse gebracht werden soll.

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