Dax stürzt ab : Angst vor Schuldenkrise wächst wieder

Die Atempause an den Finanzmärkten ist vorbei. Auslöser der Börsenturbulenzen sind dieses Mal aber nicht die Nachrichten aus den hochverschuldeten Euro-Ländern. Für Krisenstimmung sorgt vielmehr die Lage der Banken.

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Zur Euro-Schuldenkrise kommen Ängste vor einer Eintrübung der Weltwirtschaft.
Zur Euro-Schuldenkrise kommen Ängste vor einer Eintrübung der Weltwirtschaft.Foto: AFP

Berlin - Die Atempause an den Finanzmärkten ist vorbei. Erstmals seit Anfang Januar fiel der Dax am Montag wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 6000 Punkten. Der deutsche Leitindex verlor am Morgen 1,8 Prozent und rutschte auf 5942 Punkte. Am Abend schloss er bei 5978 Punkten, ein Verlust von 1,2 Prozent. Hatte sich die Stimmung an den Börsen nach dem geglückten Schuldenschnitt für Griechenland im März zunächst aufgehellt, liegen die Nerven der Anleger jetzt wieder blank. Zur Euro-Schuldenkrise kommen zunehmend Ängste vor einer Eintrübung der Weltwirtschaft: Die Ende vergangener Woche veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten waren schlechter als erwartet, und das Wachstum im chinesischen Dienstleistungssektor hat sich im Mai weiter verlangsamt. Als weiteres Indiz für Krisenstimmung gilt, dass die Kreditvergabe der Banken derzeit so stark zurückgeht wie seit Jahren nicht. Wie der am Sonntagabend veröffentlichte Quartalsbericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zeigt, haben die Geldhäuser ihre frischen Mittel an Unternehmen, Regierungen und andere Kreditinstitute so stark gekappt wie zuletzt nach der Lehman-Pleite 2008. Besonders Banken in der Euro-Zone sind von der Entwicklung betroffen.

Es ist aber vor allem die Bankenkrise Spaniens, die in den vergangenen Tagen die Furcht vor einer weiteren Eskalation der Euro-Schuldenkrise wachsen ließ – verschärfend kommt hinzu, dass nun auch Portugal seine Banken mit Milliarden unterstützen muss.

Die Regierung in Madrid versucht derzeit, den kriselnden Finanzsektor mit Milliardenhilfen zu stützen. Fraglich ist jedoch, ob Spanien dies aus eigener Kraft schafft oder den Euro-Rettungsschirm in Anspruch nehmen muss. Aufgrund leerer öffentlicher Kassen, der lahmenden Konjunktur sowie hoher Arbeitslosigkeit gilt das Land als möglicher Kandidat für europäische Hilfen – wehrt sich aber mit aller Kraft dagegen. Denn im Gegenzug müsste die Regierung strenge Auflagen einhalten und Reformen umsetzen. Auch fürchtet Madrid, dass die Anleger das Vertrauen in Spanien verlieren könnten und dadurch die Zinssätze, zu denen sich der Staat an den Kapitalmärkten frisches Geld beschaffen muss, dauerhaft hoch bleiben. In der vergangenen Woche musste Spanien für seine Anleihen bereits 6,7 Prozent Zinsen bieten.

Berichte, dass Berlin Madrid zu Hilfen aus dem Rettungsschirm drängt, wies Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag erneut zurück. Dies sei eine Entscheidung allein der spanischen Regierung. Spanien und die Euro-Partner benötigten zunächst Klarheit über den Finanzbedarf spanischer Banken. Madrid brauche keine Ratschläge Deutschlands.

Nach EU-Währungskommissar Olli Rehn sprach sich auch Frankreich für direkte Hilfen aus dem europäischen Krisenfonds ESM an Banken in Schieflage aus. „Die Notwendigkeit für eine direkte Rekapitalisierung der Banken über den ESM ist ein grundlegendes Thema, zu dem Vorschläge auf dem Tisch liegen“, sagte Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici. Allerdings verbietet die derzeitige Rechtslage direkte Hilfen aus dem ESM an europäische Banken.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich dafür aus, eine EU-Aufsicht über Großbanken zu prüfen. Das sei aber ein mittelfristiges Ziel, sagte sie vor einem Gespräch mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Montagabend in Berlin. Damit stellte sie sich hinter entsprechende Forderungen auch anderer EU-Partner. jul/dpa/AFP/rtr

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