Wirtschaft : DB Regio will sparen

Tochter der Deutschen Bahn plant Senkung der Lohnkosten Nahverkehrssparte spürt die Geldknappheit der Länder bisher nur „marginal“

Rolf Obertreis

Frankfurt (Main) – Die Deutsche Bahn AG (DB) plant weitere Kostensenkungen beim Personal, um ihre Anteile am Regionalverkehr zu sichern. Die Bahn werde im Nahverkehr nur dann bestehen und Ausschreibungen gewinnen können, wenn die Lohnkosten weiter sinken, sagte Ulrich Homberg, Vorstandschef der zuständigen Bahn-Sparte DB Regio am Dienstag. „Leider bewegt sich im Moment nichts“, fügte er mit Blick auf die Gewerkschaften hinzu. Es gehe dabei nicht um Lohndumping oder andere Grausamkeiten, sondern um faire Regeln im Vergleich zu privaten Wettbewerbern wie etwa Connex. Den Kostennachteil gegenüber der Konkurrenz bezifferte Homburg mit rund 20 Prozent.

Homburg glaubt, mit den Tarifpartnern vernünftige Regelungen finden zu können. Dabei geht es unter anderem darum, Pausenzeit aus der Arbeitszeit herauszunehmen und generell längere Arbeitszeiten zu vereinbaren. Ziel müsse eine höhere Produktivität sein. Die Absenkung des Stundenlohns in Westdeutschland hält er für unrealistisch. „Im Osten sieht es etwas anders aus.“ Allerdings wies der Bahn-Manager auch darauf hin, dass DB Regio in den vergangenen drei Jahren ihre Sparziele erreicht hat, ohne diese jedoch genau zu beziffern.

Bei Ausschreibungen tut sich die Bahn vor allem wegen der Kosten schwer, sagte Homburg. Konnten 2002 noch 46 Prozent der Aufträge für den Nahverkehr gewonnen werden, waren es 2003 nur noch 23 Prozent. Würde dieser Trend nicht gestoppt, würde die DB Regio ihr Ziel deutlich verfehlen, im Nahverkehr in zehn Jahren noch einen Marktanteil von „70 Prozent plus X“ zu halten. Dazu müsste sie mindestens 50 Prozent der Ausschreibungen gewinnen, sagte Homburg. Derzeit erbringt die Bahn im Nahverkehr bundesweit noch rund 553 Millionen Zugkilometer pro Jahr, was einem Marktanteil von etwa 89 Prozent entspricht. Bis 2015 soll der gesamte Nahverkehr in Deutschland öffentlich ausgeschrieben werden.

Das Volumen der von den Ländern an die Bahn und ihre privaten Konkurrenten zu vergebenden Strecken beläuft sich in den nächsten Jahren auf etwa 40 Millionen Zugkilometer pro Jahr, mit einem Geschäftsvolumen von etwa vier Milliarden Euro. Angesichts dieses Angebots werde der Wettbewerb immer härter, sagte Homburg. Die derzeitigen Sparmaßnahmen bei Ländern und Kommunen bekommt die DB Regio angeblich nur begrenzt zu spüren. Es gebe nur vereinzelt Abbestellungen. In Baden-Württemberg etwa würden von 60 Millionen Zugkilometern gerade einmal 800000 aufgegeben, das sei aber „marginal“, sagte DB-Regio-Chef. Allerdings werde das Leistungsangebot hinterfragt, sagte er. Die Länder überlegten sehr genau, welche Verbindungen sie halten wollten.

Grund für die von der Gewerkschaft Transnet vor gut einer Woche kritisierten Abbestellungen in mehreren Bundesländern sind Kürzungen bei den Regionalisierungsmitteln, also den staatlichen Zuschüssen für den Nahverkehr. Weitere Preissteigerungen werde es im Regionalverkehr vorerst nicht geben. „Wir orientieren uns weiter an der Inflationsrate“, sagte Homburg.

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