Wirtschaft : Debis attackiert Telekom mit Billigtarifen

Nach Erfolg beim Mobilfunk jetzt auch im Telefon-Festnetz / Joint-Venture mit Metro / 1997 Rekordumsatz erzielt BERLIN (hjk).Die Daimler-Benz-Tochter Debis, die auf dem Potsdamer Platz ihre weltweiten Aktivitäten steuert, blickt auf ein "Jahr der Rekorde" zurück.Der Umsatz wuchs um 22 Prozent, die Zahl der Mitarbeiter um 3400.Auch 1998 will Debis zweistellig wachsen, unter anderem mit einem aggressiven Auftritt auf dem Telekommunikationsmarkt: Ab sofort unterbietet Debis die Tarife der Telekom. Debis-Vorstandschef Klaus Mangold kritisierte am Donnerstag bei der Vorlage der Geschäftszahlen für 1997 den "leider undurchsichtigen, teilweise chaotischen" Start der Liberalisierung des Telefon-Festnetzes in Deutschland.Telekom-Chef Ron Sommer, so Mangold, verteidige die traditionelle Rolle des Ex-Monopolisten mit harten Bandagen.Dennoch nehme Debis die Herausforderung an und streife die von Sommer der Konkurrenz empfohlenen Boxhandschuhe über, um "sportlich und fair" in den Kampf um die Telefonkunden einzusteigen. Mit einer einfachen und angeblich konkurrenzlos günstigen Tarifstruktur wolle die Tochter Debitel nun für Klarheit auf der Anbieterseite sorgen.Dabei gehe es um einen festen Minutentarif für alle Ferngespräche zu jeder Tages- und Nachtzeit und in jede Region Deutschlands.Abhängig von der gewählten Tarifstruktur liege der Minutentarif entweder bei 23 oder bei 30 Pfennig.Debitel will 1998 etwa 160 Mill.DM in das Netz investieren. Damit nicht genug: Debitel gründet in einigen Wochen mit dem Metro-Konzern zu gleichen Anteilen ein Gemeinschaftsunternehmen, in dem beide ihre Aktivitäten des Bereichs "Electronic Commerce" bündeln wollen.Alleine Debis plant Investitionen von 90 Mill.DM.Als Geschäftsfelder der neuen Gesellschaft sind der Vertrieb von Waren und Dienstleistungen über interaktive elektronische Medien sowie der Aufbau und die Vermarktung von Online-Diensten geplant.Auch damit tritt Debis als Konkurrent zur Telekom und ihrer Tochter T-Online an.Auf einem anderen Gebiet arbeiten Debis und Telekom eng zusammen - das gemeinsame Tochterunternehmen Tegaron Telematics soll dieses Jahr unter anderem ein "dynamisches Navigationssystem für Autofahrer" und einen Notfalldienst namens TeleAid auf den Markt bringen, der bei einem Unfall automatisch nach Hilfe ruft. Debitel, nach eigenen Angaben Europas größte netzunabhängige Telefongesellschaft, hat sich bislang auf den Mobilfunkmarkt konzentriert, wo europaweit 1,7 Mill.Kunden betreut werden.Der Umsatz stieg 1997 um 44 Prozent auf 2,3 Mrd.DM und ist somit der drittgrößte Geschäftsbereich der Debis.Dieses Jahr will das Unternehmen, das bisher neben Deutschland in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Dänemark aktiv ist, auf weitere Länder ausdehnen, sowohl im Mobilfunk- als auch im Festnetzbereich. Sieht man von dem kräftigen Umsatzplus in dem vergleichweise kleinen Geschäftsbereich Immobilienmanagement ab, der um 214 Prozent auf 217 Mill.DM zulegte, war die Telekommunikation der wichtigste Wachstumsträger der Debis-Gruppe.Der Konzernumsatz wurde um 2,8 auf 15,5 Mrd.DM gesteigert und übertraf damit die Erwartungen des Vorstands.Der traditionell größte und ertragsstärkste Bereich - die zu 89 Prozent mit Daimler-Produkten verknüpften Finanzdienstleistungen und Versicherungen - steigerte den Umsatz um 15 Prozent auf 9,5 Mrd.DM.Besonders gut lief das Geschäft im Ausland mit einem Plus von 48 Prozent.Zum Gewinn wollte Mangold unter Hinweis auf die Präsentation der Daimler-Zahlen im April nichts sagen; er deutete lediglich an, daß sich der positive Trend des ersten Halbjahres, in dem der Ergebnisbeitrag um 20 auf 220 Mill.DM gestiegen war, in der zweiten Jahreshälfte fortgesetzt habe.Experten rechnen daher mit einem Gewinn von 450 bis 500 Mill.DM.Der Zwangsrückzug aus dem französischen Unternehmen Cap Gemini hat einen Buchgewinn in Höhe von 750 Mill.DM gebracht. Zur Perspektive sagte Mangold, er rechne dieses Jahr erneut mit einem zweistelligen Umsatzwachstum.Der Umsatz solle 1999 bei 20 Mrd.DM liegen.1998 sei mit Investitionen in Höhe von etwa 1 Mrd.DM zu rechnen.Die Zahl der Mitarbeiter solle bis zum Jahr 2000 um mindestens 1000 pro Jahr steigen.1997 seien 3400 Beschäftigte hinzugekommen, so daß Debis zum Jahreswechsel etwa 14 900 Mitarbeiter gezählt habe, davon 10 700 in Deutschland und 850 in Berlin. Debis, bisher an über 120 Standorten in 30 Ländern engagiert, will laut Mangold das globale Engagement weiter ausbauen.Von der Asien-Krise seien "keine nennenswerten Auswirkungen" auf die Geschäftsentwicklung zu erwarten.Der Debis-Chef: "Wir glauben an die Zukunft der derzeit von der Währungs- und Wirtschaftskrise betroffenen Länder in Asien." Man könne in der Krise auch etwas Positives sehen, indem man sie als Bereinigung bestehender Probleme betrachte.Der Bereich Finanzdienstleistungen sei bisher in Asien am stärksten involviert, komme außerhalb Japans aber nur auf einen Umsatz von 1,4 bis 1,6 Prozent.

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