Wirtschaft : Debitel startet Handy-Fernsehen

Marktforscher erwarten steigenden Absatz

Corinna Visser/HB

Berlin - Debitel hat eingeschaltet. Seit Mittwoch können Kunden des Mobilfunkdienstleisters in Berlin, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart und München mit einem speziellen Handy „echtes Fernsehen“ empfangen. Echt heißt, dass im Mobiltelefon ein TV-Empfänger steckt. Das Signal kommt also nicht über das Mobilfunknetz ins Gerät. Es ermöglicht besseren Empfang und Bildqualität und macht das Angebot unabhängig davon, bei welchem Netzbetreiber man Kunde ist. Vier Kanäle umfasst das Angebot, das Debitel „Watcha“ nennt: neben dem Programm des Nachrichtensenders N24 und des ZDF auch Comedys von Pro Sieben Sat 1 und Musik von MTV. Da das ZDF dabei ist, sind auch Spiele der Fußball-WM live bei Debitel zu sehen.

Das Interesse an mobilem TV nimmt zu. Das ergab eine Umfrage von TNS Infratest für das Handelsblatt. Demnach können sich bereits 15 Prozent der Handynutzer mit dem Thema anfreunden. Vor drei Monaten waren es noch zehn Prozent. Zudem ergab die Umfrage, dass Verbraucher bereit sind, für das Handy-Fernsehen zu bezahlen: Zwischen 20 und 25 Euro würden sie im Monat für TV und Internet über das Handy ausgeben. Voraussetzung sei, dass Inhalte und Tarife stimmen. Vor allem Nachrichten und Sport interessieren die Nutzer.

Die Bildqualität auf dem Handy „ist für den kurzen Informationshunger“ überraschend gut, sagt Martin Müller vom Telekommunikationsfachdienst Teltarif. „Trotz des nur wenige Zentimeter großen Displays kann man auch Nachrichten- und Sportsendungen gut verfolgen.“ Dennoch rät er Kunden, abzuwarten. Schließlich muss man bei Debitel für das TV-Angebot einen 24-Monatsvertrag abschließen und ein neues Handy kaufen. Das einzige Gerät am Markt kommt von Samsung und kostet ab 199 Euro. Monatlich kostet das TV-Angebot dann 9,95 Euro.

Das mobile TV-Angebot sei derzeit nur etwas für Technikfreaks, meint daher Müller von Teltarif. Erst in den kommenden Monaten werde sich entscheiden, welche Übertragungstechnik sich durchsetzen wird. Am Montag hatten die vier Netzbetreiber nämlich angekündigt, im kommenden Jahr einen anderen Standard als Debitel einführen zu wollen.

Neue Funktionen auf dem Handy stimulieren auch den Absatz der Gerätehersteller. Die Marktforschungsfirma Gartner hat am Mittwoch wegen eines starken ersten Quartals die Prognose für das Gesamtjahr angehoben. Die Experten gehen nun davon aus, dass 2006 weltweit 960 Millionen Mobiltelefone verkauft werden. 2005 waren es 817 Millionen.

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