Wirtschaft : Deckel zu über dem Milliardengrab (Kommentar)

Thomas Magenheim

Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Dieser Einsicht konnten sich letztlich auch BMW und die hinter dem Autobauer stehende Familie Quandt nicht mehr verschließen. Nun schreiten die Münchner bei ihrer maroden Tochter Rover zur unausweichlichen Tat und geben die veralteten Pkw-Werke auf der Insel ab. Der Deckel über dem Milliardengrab Rover wird geschlossen, das dabei verpulverte Geld mit dem britischen Patienten beerdigt. Das ist kein Ruhmesblatt für die einst vor Stolz und Selbstsicherheit strotzenden Manager von der Isar. Hinter dem hohen Kurs der britischen Währung als Grund für die Talfahrt bei Rover können sie sich dabei nur bedingt verstecken. Zwar geht das Pfund vorerst nicht im Euro auf, was bei der Rover-Übernahme 1994 nicht absehbar war und in den Bereich politische Unwägbarkeiten einzuordnen ist. Damit finden sich aber auch andere Teile der britischen Industrie zurecht.

Für Ausmaß und Dauer des Rover-Desasters ist vielmehr das BMW-Management verantwortlich. Zu lange blieb Rover an der langen Leine. Zu deutlich ist die verfehlte Modellpolitik. Statt die für große Stückzahlen taugenden Modelle Rover 200 und 400 zu erneuern, brachte BMW mit dem R 75 zuerst ein neues Spitzenmodell auf den Markt - und das auch noch mit Qualitätsmängeln, wie die jüngste Rückrufaktion zeigt. Die im Vorjahr einbrechenden Rover-Verkäufe waren die logische Konsequenz. Der dafür hauptverantwortliche Bernd Pischetsrieder hat bereits vor Jahresfrist seinen Hut nehmen müssen. Auch sein Erbe Joachim Milberg hat keine glückliche Figur gemacht bei seinen Rettungsversuchen. Ein erneuter Vorstandswechsel ist aber wohl das, was BMW derzeit am wenigsten brauchen kann. Die Münchner müssen sich jetzt vielmehr auf die Stärke ihrer verbleibenden Marken BMW und Landrover besinnen, die bis zuletzt Rekordrunden gedreht haben. Und ein 2-er BMW wäre wohl der beste Ersatz für alle Rover-Modelle.

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