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Defekte Airbags : Daimler und VW starten Autorückruf in den USA

Daimler und Volkswagen rufen in den USA wegen defekter Airbags mehr als eine Millionen Autos zurück. Derweil kündigt sich bei Volkswagen der erste Notverkauf einer Sparte an.

Seit 2008 hat Honda allein in den USA mehr als sechs Millionen Fahrzeuge wegen defekter Takata-Airbags repariert.
Seit 2008 hat Honda allein in den USA mehr als sechs Millionen Fahrzeuge wegen defekter Takata-Airbags repariert.Foto: REUTERS

Daimler ruft in den USA 840.000 Fahrzeuge wegen möglicherweise defekter Airbags des japanischen Herstellers Takata zurück. Der Rückruf kostet den Stuttgarter Autobauer rund 340 Millionen Euro, wie Daimler am Dienstag mitteilte. Die Belastung betreffe das Geschäftsjahr 2015, das Konzernergebnis verringere sich auf 8,7 Milliarden Euro (Vorjahr: 7,3 Milliarden Euro).

Ursprünglich hatte Daimler für 2015 einen Überschuss von 8,9 Milliarden Euro ausgewiesen. Der Dividendenvorschlag von 3,25 (Vorjahr: 2,45) Euro pro Aktie für 2015 sowie die Ergebniserwartung im Jahr 2016 blieben unberührt, erklärte der Dax-Konzern.

Auch Volkswagen startet Rückruf

Auch Volkswagen muss in den USA Fahrzeuge wegen möglicherweise defekter Airbags des japanischen Herstellers Takata zurück. Betroffen seien insgesamt 680.000 Fahrzeugmodelle der Marke VW, die zwischen 2006 und 2014 gebaut wurden, sagte ein Sprecher am Mittwoch in Wolfsburg. Zu den Kosten des Rückrufs machte VW keine Angaben. Dies solle mit Takata geregelt werden.

Zehn Tote wegen defekter Airbags

Seit Jahren sorgen defekte Airbags von Takata für millionenfache Rückrufe. Bei VW betrifft es die Modell Passat, Golf, Jetta und Eos. Auch andere Hersteller sind betroffen. Honda beorderte vor wenigen Tagen weitere 2,2 Millionen Autos in Nordamerika in die Werkstätten. Seit 2008 hat Honda allein in den USA mehr als sechs Millionen Fahrzeuge wegen defekter Takata-Airbags repariert.

Weltweit stehen zehn Todesfälle mit defekten Aufblasvorrichtungen von Takata in Verbindung, neun davon in den USA.

Volkswagen hat bereits mit erheblichen Problemen in den USA zu kämpfen. Die Wolfsburger hatten Diesel-Abgaswerte mit einer Software manipuliert und müssen mit hohen Strafen und Schadensersatzforderungen rechnen. Fast 600.000 Fahrzeuge sind davon in den USA betroffen, weltweit sind es rund elf Millionen.

Chinesen wollen VW-Schiffmotoren-Sparte

Derweil haben offensichtlich mehrere Unternehmen Finanzkreisen zufolge ihre Fühler nach der Schiffsmotoren-Sparte von Volkswagen ausgefahren. Konkurrenten aus China, Europa und den USA hätten Interesse am Geschäft mit Schiffsdieseln, Turbomaschinen und großen Getrieben angemeldet, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Sparte ist VW im Rahmen der Übernahme von MAN zugefallen. Ein Verkauf, über den in den vergangenen Jahren immer wieder spekuliert wurde, könnte VW nach Einschätzung von Bankern vier bis fünf Milliarden Euro einbringen.

VW bereite nun erste Gespräche mit einem chinesischen Interessenten vor, sagte einer der Insider. "Alles ist aber noch in einem sehr frühen Stadium." Eine VW-Sprecherin sagte allerdings dazu: "Das sind Spekulationen, an denen nichts dran ist."

Erster Notverkauf von Volkswagen?

Der Wolfsburger Konzern hat mehrfach betont, dass er wegen Belastungen durch den Diesel-Skandal nicht gezwungen sei, Notverkäufe zu tätigen. Sollte sich daran irgendwann etwas ändern, sei die Schiffsdiesel-Sparte die erste Option, sagte eine mit dem Konzern vertraute Person. Die Sparte fährt zwar vergleichsweise hohe Gewinne ein, die Synergien mit dem Fahrzeuggeschäft sind aus Sicht von Experten aber überschaubar.

Als mögliche Interessenten in China werden Konzerne wie Yuchai, Weichai oder Sinomach gehandelt. Andere potenzielle Bieter sind aus Sicht von Bankern das Schweizer Unternehmen Sulzer, der US-Konzern General Electric und Siemens.

Diese Firmen hätten aber vermutlich nur Interesse an Teilen der Schiffsmotoren-Sparte. "Die Erwartung ist, dass der Deal kommen wird", sagte ein Banker. "Die Frage ist nur: wann?". (dam, Reuters)

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