Wirtschaft : Degussa: Unternehmen treibt Wandel weiter voran

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"Degussa wandelt sich in Riesenschritten zu einem reinen Spezialchemieunternehmen", sagte Utz-Hellmuth Felcht. Auf der Hauptversammlung der Düsseldorfer Degussa AG am Dienstag legte der Vorstandsvorsitzende nicht nur die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2000 vor. Felcht präsentierte seinen Aktionären auch eine "neue Degussa". Bis Ende 2002 soll der Konzern vollkommen auf das Kerngeschäft "Spezialchemie" konzentriert sein. Die Fusion von Degussa-Hüls und SKW Trostberg zu Degussa "verläuft zügig und reibungslos", sagte Felcht.

Neben dem Verkauf zahlreicher Geschäftsfelder kündigte der Vorstandsvorsitzende auch weiter internationales Wachstum an. Bereits heute erwirtschafte Degussa über 70 Prozent des Umsatzes im Ausland. Mit der Übernahme des britischen Spezialchemieunternehmens Laporte, die laut Degussa im März von der Europäischen Kommission genehmigt wurde, sei ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Internationalisierung getan. Dadurch rückt Degussa in der Feinchemie weltweit auf Platz zwei.

Nach der konjunkturellen Abschwächung im ersten Halbjahr zeigt sich Felcht für die zweite Jahreshälfte wieder optimistischer: "Im Kerngeschäft erwarten wir einen spürbaren Anstieg bei Umsatz und Gewinn." Ab 2003 plant die Konzernführung Ergebnisverbesserungen von 300 Millionen Euro jährlich. Zudem will Degussa am Standort Antwerpen eine neue Produktionsanlage für 250 Millionen Euro errichten. Diese soll die Herstellung essenzieller Aminosäuren ermöglichen, um der steigenden Nachfrage nach Proteinen für die Herstellung von Tiernahrung nachzukommen. Nach eigenen Angaben ist Degussa bei diesen Futtermittelzusätzen Weltmarktführer.

Neben der Neustrukturierung der Degussa wurde auch die Rolle des Hauptanteilseigners Eon von den Aktionärsvertretern kontrovers diskutiert. Der Düsseldorfer Energieversorger hält knapp 65 Prozent der Anteile an Degussa und möchte sich auf Sicht von drei bis fünf Jahren von diesen trennen. Der Vertreter der Schutzvereinigung der Kleinaktionäre (SdK), Rudolf Heinz, appellierte an beide Unternehmen, zügig Lösungen für diesen Ausstieg zu präsentieren. Dadurch solle der Streubesitz erhöht und der Verbleib im Dax-30 - gemäß den neuen Kriterien für 2002 - gesichert werden. Besorgt zeigten sich Anteilseigner über die bisherige Entwicklung der Degussa-Aktie. "Der Börsenkurs ist eine totale Pleite", sagte ein Aktionär. Die Marktkapitalisierung sei deutlich zu gering. Auch Vorstandschef Felcht stört die Entwicklung in den vergangenen Monaten: "Der gegenwärtige Kurs entspricht nicht dem Ergebnispotenzial unseres Unternehmens." Langfristig glaubt Felcht aber daran, dass die Neustrukturierung des Konzerns sich positiv auf den Aktienkurs auswirken wird. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2000 erzielte Degussa einen Umsatz von 16,9 Milliarden Euro. Den Aktionären wurde eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie vorgeschlagen.

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