Deichmann : Trotz neuer EU-Zölle günstige Schuhe

Ungeachtet der ab Samstag geltenden Strafzölle für Billig-Schuhe aus China und Vietnam will Schuhdiscounter Deichmann seine Ware möglichst günstig halten.

Luxemburg/Essen - "Wir werden alles tun, um die Strafzölle nicht an unsere Kunden weiterzureichen", sagte der Chef der Essener Firma, Heinrich Deichmann, in der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Der EU-Ministerrat hatte zuvor in Luxemburg die Zölle gebilligt, die ab Samstag für eine Dauer von zwei Jahren verhängt werden. Vietnam fürchtet deshalb den Verlust von bis zu 70.000 Jobs. Hierzulande kommen fast zwei Drittel aller Importschuhe aus China und Vietnam.

Deichmann kündigte an, die Produktion und Beschaffung zum Teil in andere Länder zu verlagern. Zugleich kritisierte er die EU scharf für die Zölle. Dieses Ergebnis sei nach 14 Monaten intensiver Verhandlungen "völlig absurd" und ein Rückfall "in Zeiten finstersten Protektionismus". Die Zeche zahle am Ende der Verbraucher, weil die Preise im deutschen Schuheinzelhandel voraussichtlich steigen würden. Auch innerhalb der EU waren die Zölle umstritten. Deutschland hatte sich wegen der negativen Folgen für Verbraucher und Schuhhändler dagegen ausgesprochen. Bereits seit April galten vorläufige Strafzölle.

Südeuropa sieht Hersteller bedroht

Nach dem Beschluss des EU-Ministerrats in Luxemburg werden ab Samstag Zusatzabgaben von 16,5 Prozent auf den Einfuhrpreis chinesischer Schuhe fällig, für vietnamesische Ware beträgt der Aufschlag zehn Prozent. Die EU-Kommission wirft den asiatischen Ländern vor, europäische Schuhmarken mit Dumpingpreisen aus dem Markt zu drücken. Besonders südeuropäische Länder wie Italien, Spanien und Portugal sehen ihre Hersteller bedroht.

Vietnam fürchtet nun seinerseits den Verlust von zehntausenden Arbeitsplätzen. Zwischen 60.000 und 70.000 Jobs würden in der Branche verloren gehen, sagte der Präsident des vietnamesischen Schuh- und Lederwarenverbands, Nguyen Gia Thao. Gerade viele kleinere Hersteller stünden vor dem Bankrott. (tso/AFP)

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