Wirtschaft : Deka-Chef muss gehen

Krise um Immobilienfonds kostet Weber das Amt

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Die Krise um den angeschlagenen Deka-Immobilienfonds hat den Chef des Instituts jetzt doch den Job gekostet. Am Donnerstag kam für Axel Weber überraschend das Aus, nachdem Sparkassen-Manager zuvor im Verwaltungsrat offenbar massiv Ärger über das Krisenmanagement bei der Deka geäußert hatten. Weber hatte die Bank gut drei Jahre geführt, nun rückt sein Vize Fritz Oelrich kommissarisch an die Spitze.

Weber sei auf eigenen Wunsch aus seinem Amt ausgeschieden, teilte Sparkassen-Präsident Dietrich Hoppenstedt nach der Sitzung in Frankfurt am Main mit. Faktisch allerdings ist es ein Rausschmiss. Vergangene Woche hatte Hoppenstedt Weber in einem Rundbrief an die Vorstände der deutschen Sparkassen scharf kritisiert und Aussagen von Weber gerade gerückt. Der hatte einige Tage zuvor angedeutet, dass der mit Einlagen von rund sechs Milliarden Euro größte Immobilienfonds in Deutschland notfalls auch geschlossen werden könnte. Dies komme nicht in Betracht, schrieb Hoppenstedt den Sparkassen-Managern.

„Webers Äußerungen waren für den Deka-Immobilienfonds der Gau“, sagt ein Insider. „Die Schließung eines Fonds kann man nicht öffentlich diskutieren.“ Den Mittelabfluss könne man so nicht stoppen, das Vertrauen der Anleger nicht zurückgewinnen. Sparkassenkunden ziehen Tag für Tag sechs bis sieben Millionen Euro aus dem Fonds ab. 2004 waren es insgesamt 1,7 Milliarden Euro, im Januar noch einmal 300 Millionen Euro.

Die Deka war von dem im vergangenen Jahr aufgedeckten Immobilienskandal besonders stark betroffen. Eine der zentralen Figuren ist der ehemalige Chef des Deka-Immobilienfonds. Er war im Sommer fristlos entlassen worden.

Weber wurde zwar in einem eigens erstellten Gutachten attestiert, „angemessen und zeitgerecht“ auf die Probleme reagiert zu haben, im Sparkassenlager ist man, so ist von Insidern zu hören, trotzdem „stinkesauer“. 500 Millionen Euro hat die Deka-Bank selbst zur Beseitigung der Schieflage investiert, zugleich haben Prüfungen der Finanzaufsicht Ende 2004 zutage gefördert, dass viele der im Deka-Fonds geparkten Immobilien deutlich überbewertet sind.

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