Wirtschaft : Dem Adtranz-Werk in Pankow droht nun doch das Aus

BERLIN (chi). Die Rettung des Berliner Adtranz-Werkes in Pankow steht offenbar auf der Kippe. Wie der Tagesspiegel aus Unternehmenskreisen erfuhr, knüpft der Konzern die mögliche Fortführung des Betriebes im Verbund mit der Schweizer Firma Stadler an eine Vorbedingung: Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) müssen ihre frühere Zusage, 115 U-Bahn-Züge zu bestellen, komplett erfüllen. Bislang wurden 26 Fahrzeuge ausgeliefert. Doch dazu scheint die BVG nicht bereit. Eine Sprecherin sagte am Freitag lediglich: "Kein Kommentar".Damit ist die von Adtranz ursprünglich geplante Schließung des Standortes wieder im Gespräch. Der Konzern beruft sich auf "Signale des Senats" über ein mögliches Zusatzbudget für die BVG, räumt aber ein, daß noch verhandelt wird. Am kommenden Mittwoch findet eine weitere Gesprächsrunde aller Beteiligten in der Wirtschaftsverwaltung statt. Senator Wolfgang Branoner bleibt zuversichtlich: "Ein Kompromiß ist möglich", sagte er dem Tagesspiegel. Wenn die BVG den Forderungen nicht in vollem Ausmaß nachkommen kann, gebe es "noch andere Auftraggeber". Zudem sei die Kooperation von Adtranz und Stadler weit gediehen: Anfang Juli zogen sie einen weiteren Auftrag für den gemeinsam mit Bombardier produzierten und von Stadler entwickelten dieselelektrischen Triebwagen GTW an Land. Der US-Regionalverkehrsbetrieb New Jersey Transit vergab einen Großauftrag für Bau und Betrieb einer neuen Bahnlinie und bestellte gleichzeitig 20 GTW-Fahrzeuge - ein Auftragsvolumen von 90 Mill. Schweizer Franken, rund 110 Mill. DM. Die Fahrzeuge könnten in Pankow produziert werden.Die Beschäftigten aber glauben kaum noch an eine Rettung des Werkes: Seit sechs Monaten werde verhandelt, "die Skepsis ist sehr, sehr groß", sagt Betriebsratschef Detlef Muchow. Der Verdacht, daß Adtranz die Gespräche nur hinausschiebe, um die Belegschaft ruhig zu halten, sei "nicht von der Hand zu weisen". Sollte sich dies in der nächsten Woche bestätigen, droht Muchow mit Streik. Strittig sind aber auch die Eckpunkte eines Haustarifvertrages. Laut Muchow fordert Stadler von der Belegschaft eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich sowie eine Gehaltskürzung um fünf Prozent. Der Betriebsrat hat eine 38-Stunden-Woche angeboten. Die Verhandlungen ruhen derzeit.Adtranz hatte die Schließung des Werkes in Pankow seinerzeit mit den enormen Überkapazitäten in den deutschen Fertigungsbetrieben begründet. Auch die Muttergesellschaft DaimlerChrysler will bald Gewinne sehen.

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