Wirtschaft : Dem amtlichen Fixing droht das Aus

Devisenbörse in Frankfurt soll nach dem Willen der Großbanken verschwinden FRANKFURT (MAIN) (ro).Der Frankfurter Devisenbörse droht nach über 45 Jahren das Aus.Nach dem Willen der Großbanken soll das amtliche Fixing - die alltägliche Festsetzung der Kurse für 17 Währungen gegenüber der D-Mark - zum Jahresende aus Kostengründen eingestellt werden.Ein Termin sei noch nicht im Gespräch, heißt es allerdings bei der Deutsche Börse AG.Sparkassen, Volksbanken und Landesbanken sind dem Vernehmen nach gegen eine Schließung der Devisenbörse.Die amtliche Kursfeststellung sei vor allem für mittelständische Unternehmen und für Verbraucher eine wichtige Orientierungsgröße. Entschieden ist noch nichts.Die Geschäftsführung und der Börsenrat haben das letzte Wort, bislang gibt es nur Signale, daß die Mehrheit des Ausschusses für den Devisenhandel für das Ende des amtlichen Fixings ist.Klar ist aber, daß die Großbanken nicht länger an der Devisenbörse mitmischen wollen."Die physische Präsenz an der Devisenbörse ist viel zu teuer", sagt Alfred Schorno, Leiter des Fachbereichs Devisen bei der Commerzbank.Vier Mitarbeiter müsse man täglich für die Devisenbörse abstellen, obwohl dort nur ein kleiner Teil des Devisenhandels abgewickelt werde.Im Computer könne man das Hundertfache dieses Umsatzes in Sekunden tätigen.Schorno plädiert dafür, die zwischen den Banken ermittelten Kurse zweimal täglich als Referenzkurse öffentlich zu machen und dadurch die amtlichen Kurse zu ersetzen.Diese Referenzkurse wären unmittelbar Grundlage für den Tausch von ausländischen Währungen bei den Banken.Zum Vorteil der Bankkunden: Derzeit wird für den Tausch von Währungen bei der Bank der amtliche Devisenkurs vom Vortag herangezogen.In Zukunft würde der taggleiche Kurs gelten. Zumindest für die Großbanken und für Großunternehmen spielen die Devisenbörsen und damit auch das amtliche Fixing schon lange keine wichtige Rolle mehr."Es ist längst überfällig, das Ding zuzumachen", sagt ein Insider.Über eine Billion Dollar werden Schätzungen zufolge täglich weltweit auf dem Devisenmarkt gehandelt, nur ein kleiner Teil läuft über die Devisenbörsen.Das amtliche Fixing ist in diesem Hin und Her nur eine Momentaufnahme. Selbst für die Bundesbank hat die Devisenbörse längst nicht mehr die Bedeutung früherer Jahre.Wenn sie in Abstimmung mit anderen Notenbanken am Devisenmarkt interveniert und Dollar oder DM kauft oder verkauft, um eine der beiden Währungen zu stützen, läuft das nicht über die Devisenbörsen, sondern über den freien Markt.Mit dem Beginn der Europäischen Währungsunion in acht Monaten wird die Bedeutung des amtlichen Fixings ohnehin erheblich sinken.Die Bundesbank verliert dann ihre Autonomie und scheidet als Teilnehmer der Devisenbörse aus.Neun der derzeit 17 in Frankfurt fixierten Währungen verschwinden vom Kurstableau, weil sie in den Euro übergehen.Schließlich, so heißt es in Frankfurt, werde die Europäische Zentralbank (EZB) nicht über die Devisenbörse intervenieren.Sie werde jeden Tag selbst Referenzpreise für die verschiedenen Währungen gegenüber dem Euro nennen. Die Großbanken verweisen im übrigen auch darauf, daß es nur noch in Deutschland ein amtliches Fixing gebe."Hätte London, der größte Devisenhandelsplatz der Welt, damit ein Problem, dann hätten sie das amtliche Fixing längst wieder eingeführt", sagt Commerzbank-Experte Schorno.Derzeit werden in Frankfurt vom amtlich bestellten Devisenmakler Detlev Storck jeden Tag zwischen 13 Uhr und 14 Uhr die amtlichen Kurse von 17 Währungen gegenüber der D-Mark ermittelt.Würde das amtliche Fixing in Frankfurt eingestellt, dann würden Storck und seine drei Mitarbeiterinnen ihren Job verlieren.Wenn Frankfurt dicht ist, stellt sich im übrigen auch die Frage nach den Devisenbörsen in Berlin, München, Düsseldorf und Hamburg.

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