Wirtschaft : Dem Aufschwung geht die Luft aus

DIW und KfW erwarten schwächeres Wachstum – trotzdem ist der Arbeitsmarkt in guter Verfassung

Berlin - Der kräftige Aufschwung in Deutschland hat nach Ansicht von Unternehmern und Ökonomen seinen Höhepunkt bereits überschritten. Zugleich zieht die Nachfrage nach Arbeitskräften der Bundesagentur für Arbeit zufolge wieder deutlich an.

Nach dem starken zweiten Quartal mit einem Wachstum von 2,2 Prozent wird das Bruttoinlandsprodukt nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im dritten Vierteljahr um 0,9 Prozent wachsen. Das erklärten die Forscher am Montag in Berlin. Damit läge des Plus aber noch über dem langjährigen Durchschnitt. „Die Konjunktur bleibt eindeutig aufwärts gerichtet“, sagte DIW-Experte Ferdinand Fichtner. Grund für das etwas schwächere Wachstum sei die Abkühlung der Weltwirtschaft, vor allem der USA und Chinas. Dadurch legten die Exporte mit geringerem Tempo zu. Auch die Nachholfeffekte liefen aus – die Bauwirtschaft hatte die Aufträge, die sie während des langen Winters nicht hatte erledigen können, im zweiten Quartal nachgeholt und damit das Wachstum gestützt.

Auch die staatliche Förderbank KfW glaubt, dass der Zenit des Aufschwungs erreicht ist. Darauf deuteten viele Indikatoren hin, erklärte das Institut. Von der erwarteten Abkühlung der Konjunktur spürten kleinere und mittlere Betriebe aber noch nichts. Das von der KfW und vom Münchner Ifo-Institut berechnete Geschäftsklima im Mittelstand verharrte im August auf dem Juli-Niveau von 21 Punkten, wie die Bank am Montag mitteilte. Während die befragten Firmen ihre Lage günstiger einschätzten, sackten ihre Hoffnungen auf künftige Geschäfte etwas ab. Dies deute auf eine langsamere Gangart hin, „aber der sehr dynamische Impuls aus dem sensationell guten zweiten Quartal wirkt noch spürbar in die zweite Jahreshälfte hinein“, sagte KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch. Die Mittelständler wollen laut KfW-Umfrage vermehrt einstellen. Großfirmen seien hier sogar noch optimistischer.

Dass sich der Arbeitsmarkt robust entwickelt, liegt auch an der Zeitarbeitsbranche – sie stellt weiter rege ein. „Die Arbeitskräftenachfrage hat sich vom krisenbedingten Einbruch erholt, die Betriebe signalisieren wieder deutlichen Einstellungsbedarf“, erklärte die Bundesagentur für Arbeit auf Basis ihres Stellenindex (Bax). Das Barometer stieg im August um zwei auf 143 Punkte und liegt damit über dem Niveau aus der Zeit vor der Finanzkrise. „Insbesondere die flexible Nachfrage durch die Zeitarbeit hat zu dieser schnellen Erholung beigetragen.“ Gut jede dritte gemeldete Stelle kommt derzeit aus dieser Branche. Auch in anderen Sparten wie im Einzelhandel, in der Gastronomie, am Bau oder im Gesundheits- und Sozialwesen würden viele Mitarbeiter gesucht. brö/rtr

1 Kommentar

Neuester Kommentar