Wirtschaft : Dem Berliner Handwerk geht es besser

Nach langer Krise steigen Umsatz und Beschäftigung wieder / Kammer: „Beste Entwicklung seit elf Jahren“

Anselm Waldermann

Berlin - Das Berliner Handwerk hat seine tiefe Krise offenbar überwunden. Erstmals seit Jahren ist 2005 nicht nur die Zahl der Betriebe gestiegen, sondern auch die der Beschäftigten. Die Umsätze in der Branche legten ebenfalls zu. „Eine solch positive Entwicklung konnte das Berliner Handwerk zum letzten Mal vor elf Jahren vermelden“, sagte der Präsident der Handwerkskammer, Stephan Schwarz. „Es ist eine regelrechte Kehrtwende im Vergleich zur bisherigen Entwicklung.“

In den vergangenen Jahren war die Zahl der Betriebe deutlich gestiegen – vor allem wegen des Booms bei den Ich- AGs. Gleichzeitig hatte die Branche aber nur sehr schwache Umsätze verzeichnet. Dementsprechend arbeiteten immer weniger Menschen in den Handwerksbetrieben der Stadt. Lag die Zahl der Beschäftigten Mitte der 90er Jahre noch bei 250 000, sank sie 2004 auf unter 190 000.

Dieser Niedergang scheint nun gestoppt: Ende des vergangenen Jahres fanden im Berliner Handwerk 191 000 Menschen Arbeit – ein Plus zum Vorjahr von immerhin knapp einem Prozent. Die Umsätze stiegen ebenfalls um knapp ein Prozent auf 10,462 Milliarden Euro. „Das ist wirklich eine kleine Sensation“, sagte Schwarz. Noch deutlicher fiel der Zuwachs bei der Zahl der Betriebe aus: Mit 33 004 gab es Ende des vergangenen Jahres rund 7,5 Prozent mehr als Ende 2004.

Als Grund für die positive Entwicklung nannte Schwarz den Sanierungsbedarf, der sich sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich angestaut habe und der nun abgearbeitet werde. Wie es in den kommenden Monaten weitergeht, sei hingegen nicht sicher. „Wenn es bei den Steuern, den Lohnnebenkosten und der Bürokratie die richtigen Impulse gibt, wird sich der positive Trend fortsetzen“, sagte Schwarz. „Wenn nicht, ist die Gefahr groß, dass wir nur ein Zwischenhoch haben.“ Der von der großen Koalition eingeführte Steuerbonus auf Handwerkerleistungen und die Förderung der energetischen Gebäudesanierung seien aber Schritte in die richtige Richtung.

Auf die Zahl der Ausbildungsplätze hat sich die gute Entwicklung bisher nicht ausgewirkt. So konnte die Handwerkskammer im vergangenen Jahr zwar 370 neue Ausbildungsbetriebe gewinnen; insgesamt wurden aber nur noch 5625 Ausbildungsverträge abgeschlossen – im Vorjahr waren es noch 6000. In den neuen Ausbildungsbetrieben sind im Durchschnitt nur 1,3 Azubis beschäftigt, in den alten Betrieben sind es 2,7.

Die meisten Ausbildungsplätze boten die Frisör- sowie die Maler- und Lackierer-Betriebe an. Hohe Zuwachsraten gab es zudem im Elektrogewerbe, bei Schneidereien und im Gerüstbau. Die klassischen Berufe des Baugewerbes und der Metallbranche bezeichnete Schwarz hingegen als „Sorgenkinder“. Er forderte zudem den Senat auf, die Schulqualität zu verbessern und so die Startchancen der jungen Menschen zu verbessern. „In den vergangenen Jahren hat sich die Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichen nicht gerade erhöht – obwohl die Anforderungen steigen.“

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