Wirtschaft : Dem Euro wird mehr zugetraut

HAMBURG . Bundesfinanzminister Hans Eichel geht davon aus, daß der Euro mit einer zunehmend besseren Konjunktur in Europa wieder stärker wird. Der Wirtschaftweise Herbert Hax schließt dagegen nicht aus, daß der Euro die Parität zum Dollar erreicht und durchbricht. In weiteren Beiträgen zur Euro-Kurs-Debatte am Wochenende machte der frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) die Steuerpolitik der rot-grünen Bundesregierung für die Euro-Schwäche mitverantwortlich. Für den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Rolf Breuer, hat der Fall des Euro gute und schlechte Seiten.In einer gemeinsamen Erklärung Eichels und der Finanzminister Österreichs, Franz Edlinger, und der Schweiz, Kaspar Villiger, heißt es, für Europa würden "wesentliche Voraussetzungen für einen Wirtschaftsaufschwung im nächsten Jahr vorliegen". Die Anzeichen dafür würden im zweiten Halbjahr 1999 deutlicher. Die guten Wachstumsaussichten sprächen für einen Euro-Kurs, "der die positiven Fundamentaldaten der europäischen Wirtschaft stärker reflektiert", erklärten sie nach Gesprächen im österreichischen Pamhagen. Gleichzeitig warnte Eichel vor Verletzungen des Stabilitätspakts durch einzelne EU-Staaten. Dies würde "sofort auf alle anderen durchschlagen".Hax, der Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage ist, nannte in der "Welt am Sonntag" einen Euro unter der Parität zum Dollar zwar ein "psychologisches Signal", aber kein "ernstes Alarmsignal". Selbst wenn er unter diese Grenze fallen würde, "steht ein freier Fall der europäischen Währung nicht zu befürchten", sagte Hax.Waigel kritisierte in einem Interview der Finanz- und Börsenzeitung "Euro am Sonntag", daß die gewerblichen und privaten Steuersätze nicht deutlich genug gesenkt würden. Daß nun die Reform der Unternehmenssteuer erst zum 1. Januar 2001 kommen solle, schaffe Verunsicherung. "Die ganze Welt wartet doch darauf, daß vor allen Dingen bei den Strukturreformen in Deutschland etwas Entscheidendes passiert. Doch das Gegenteil tritt ein."Breuer wird von den britischen Zeitungen "The Independent" und "The Guardian" mit den Worten zitiert: "Er (der Euro-Verfall) ist eine sehr gute Sache für die europäische Wirtschaft, weil die Exporte die Chance bekommen, dramatisch zu steigen... Es ist eher der Peinlichkeitsfaktor für eine junge Währung." Daß der Euro seit Jahresanfang 14 Prozent seines Wertes gegenüber dem Dollar verloren habe, schade dem Ansehen der europäischen Währung. Breuer äußerte sich während eines Besuchs in London auch zu den Andeutungen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Wim Duisenberg, wonach der Leitzins möglicherweise bald erhöht wird. "Ich begrüße das", sagte er. "Wenn man sich Deutschland ansieht, dort geht es mit der Wirtschaft wieder bergauf, es gibt klare Signale für ein stärkeres Wachstum und ein besseres allgemeines Klima."

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