Wirtschaft : Dem Geldwert auf der Spur

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Statistiker sind langweilige Leute. Sie laufen mit altmodischen Einkaufskörben in die Supermärkte und kaufen nur Waren, die der Durchschnittsdeutsche auch kauft. Wieder zuhause, tragen sie jeden ausgegebenen Cent pingelig in ein Haushaltsbuch ein und rechnen aus, ob der Einkauf teurer war als am Tag zuvor.

Trotzdem sind die Statistiker unverzichtbar. Denn mit ihrem Tagwerk messen sie, ob die Preise in Deutschland steigen oder fallen. Dazu kaufen sie regelmäßig 750 Produkte oder nehmen bestimmte Dienstleistungen in Anspruch. Und zwar solche, von denen sie glauben, dass sie typisch sind für das Leben der Bürger: Milch und Zahnpasta, Heizung und Versicherungen, Fernseher und Bücher, Müllabfuhr, Gartenscheren, Briefmarken und Pauschalreisen. Mit einer komplizierten Formel berechnen die Statistiker dann, ob der Lebensunterhalt teurer geworden ist und das Geld an Wert verloren hat. Momentan liegt die Inflationsrate bei 1,3 Prozent, so niedrig wie seit 1999 nicht.

Dass trotzdem viele Menschen den TeuroEffekt beklagen, liegt an dem Gewicht der einzelnen Produkte im Warenkorb. Viele bedeutende Ausgaben haben die Verbraucher gar nicht auf der Rechnung: 28 Prozent ihres Monatsbudgets gehen für die Miete drauf, 13 Prozent für Fahrten mit dem eigenen Auto, mit Bus oder Taxi – vieles davon wird unauffällig direkt vom Konto abgebucht. Das teurere Schnitzel in der Kneipe oder der kostspieligere Friseurbesuch werden dagegen stärker wahrgenommen – und sorgen für eine hohe gefühlte Inflation. Gut, dass es die langweiligen Statistiker gibt. brö

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