Wirtschaft : Dem Klub der Reichen stehen Reformen bevor

Die OECD ist ein halbes Jahrhundert alt / Der Kreis der Mitglieder hat sich stark ausgeweitet PARIS.Wenn sich Macht und Einfluß am Ausstoß von Papier messen, so gehört die OECD in Paris mit Sicherheit zu den mächtigsten Organisationen der Welt.Vom Konjunkturverlauf über das Niveau des Bildungsbereiches, bis zu den die Agrarsubventionen oder die Entwicklungspolitik: Es gibt kaum ein wirtschafts-, sozial-, oder finanzpolitisches Thema, zu dem die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung keine Dokumente oder Studien verfaßt.Sie gilt nicht nur als einziges noch heute lebendiges Vermächtnis des Marshall-Plans, sondern ist als Denkfabrik der Industrienationen auch eines der wichtigen Gremien internationaler Wirtschaftspolitik. Was sich heute als weltumspannendes Forum der Industrieländer darstellt, war vor 50 Jahren - am 16.April 1948 - zur Umsetzung des Marshall-Plans als Organisation für Europäische Wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC) entstanden.Ziel des von dem US-Politiker George Marshall angeregten Plans war es, den Wiederaufbau im kriegszerstörten Europa voranzutreiben.Die OEEC überwachte dabei die Verteilung der zu investierenden Dollar-Milliarden.Ihre Rolle ging aber über die Überwachung der Aufbauhilfe hinaus: Sie legte auch die Grundzüge für eine übergreifende Kooperation. "Die grundlegende Erkenntnis bestand darin, daß wirtschaftliche Entwicklung nicht möglich ist ohne Kooperation und Zusammenarbeit", betont heute der OECD-Generalsekretär Donald Johnston, der diese Erkenntnis rückblickend als "Bezugspunkt für den Übergang zu einem Zeitalter wahrer Globalisierung" sieht."Was in Europa geschehen ist, muß sich nun im Weltmaßstab wiederholen", lautet das Credo des Kanadiers, der am 1.Juni 1996 als erster Nicht-Europäer an die Spitze des "Industrieländer-Klubs" gewählt wurde.Doch schon 1961 reichte die Beschränkung auf Europa nicht mehr aus - die OEEC änderte dementsprechend ihren Namen in Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Jahrelang teilten die wachstumsstarken Westeuropäer von nun an ihre Exklusivität in der OECD nur mit Amerikanern oder Japanern.Das Wort vom "Klub der Reichen" machte damals schnell die Runde.Die Zeiten änderten sich Ende der achtziger Jahre.Asiatische, lateinamerikanische und ost- und mitteleuropäische Staaten pochten an die Pforten der im feinen 16.Pariser Bezirk ansässigen Institution.Mexiko, Ungarn, Südkorea oder Tschechien kamen hinzu.Selbst Rußland will nach dem Untergang des Kommunismus bei dem marktwirtschaftlich orientierten Zirkel dabei sein. Die mitunter schwerfällig wirkende OECD, deren 1870 Mitarbeiter in rund 200 Arbeitsgruppen organisiert sind, stand vor einer Identitätskrise.Die Zahl der Neuzugänge, interne Machtkämpfe sowie wachsende Konkurrenz durch andere internationale Gremien machten ihr das Leben schwer.Kritiker hielten der Organisation vor, daß viele ihrer Studien schon am Erscheinungstag veraltet seien.Zudem sei die Qualität der Studien mitunter fragwürdig.Johnston leitete eine Kurskorrektur ein, die noch nicht abgeschlossen ist.So sollen neben der Beschäftigungspolitik etwa die Auswirkungen der weltweiten Wirtschafts- und Handelsverflechtung untersucht werden.Auch bei den Strukturen will Johnston Veränderungen: Das Budget, das 1998 bei voraussichtlich 1,18 Mill.Franc (353 Mill.DM) liegen wird, soll für den Zeitraum 1997 bis 1999 um zehn Prozent gekürzt werden.

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