Dem Onlinehandel sei Dank : Wie Kartonhersteller verdienen

Kein Pappenstiel: Die Industrie profitiert vom Boom im Onlinehandel - und bringt mehr Kartons unter die Leute.

von
Vom wachsenden Onlinehandel profitiert die Kartonindustrie.
Vom wachsenden Onlinehandel profitiert die Kartonindustrie.Foto: dpa

Etliche Weihnachtsgeschenke kommen in diesem Jahr mit dem Paketboten. Statt in die Stadt zu gehen, kaufen mittlerweile 62 Prozent der Internetnutzer ihre Präsente im Netz ein, zeigt eine Studie des IT-Verbands Bitkom. Davon profitieren nicht nur die Onlinehändler – sondern auch die Hersteller der Kartons. Ihre Branche wächst. Schon jetzt werden jährlich 2,8 Milliarden Pakete in Deutschland verschickt – 2019 sollen es bereits vier Milliarden sein. Die Kartons bestehen in der Regel aus Wellpappe: einem Material, das dank des Onlinehandels so beliebt ist wie nie.

Das Prinzip dahinter ist einfach: Zwei dicke Schichten halten eine Lage gewelltes Papier zusammen. Durch die Welle in der Mitte wird die Pappe stabil, bleibt aber leicht. Hinzu kommt, dass die Kartons günstig sind. Zwar machen die deutschen Hersteller jährlich fast fünf Milliarden Euro Umsatz. Doch auf das Produkt herunter gerechnet ist das wenig: Pro Quadratmeter Wellpappe verdienen die Hersteller gerade einmal 50 Cent.

Verkauft wird über den Preis

„Der Konkurrenzdruck in der Branche ist enorm“, sagt Oliver Wolfrum, Geschäftsführer des Verbands der Wellpappenindustrie (VDW). Deutschlandweit gibt es 46 Firmen, die in fast 130 Werken Wellpappe herstellen. Weil ihre Produkte sich kaum unterscheiden, ist der Preis entscheidend. Steigt er, wechselt der Kunde zu einem anderen Hersteller. Deshalb sagt Wolfrum: „Es fällt den  Firmen schwer, steigende Rohstoffpreise an die Kunden weiterzugeben.“

Probleme bereitet den Herstellern vor allem der steigende Preis für Altpapier, aus dem Wellpappe fast vollständig besteht. Wie andere Rohstoffe auch, wird Altpapier längst auf dem Weltmarkt gehandelt. Und die Nachfrage steigt. So kaufen mittlerweile zum Beispiel Chinesen zunehmend hierzulande Altpapier ein, um es in ihren Fabriken zu verarbeiten. Kaufhaus-Altpapiere, also gebrauchte Papier- und Kartonverpackungen, kosten mittlerweile knapp 48 Euro pro Tonne – Anfang 2009 lag der Preis noch deutlich unter 20 Euro. Deshalb müssen die Hersteller sich etwas einfallen lassen.

Braun ist gestrig: Bedruckt ist im Trend

Viele rüsten auf, um die Wellpappe in hoher Qualität bedrucken zu können. Denn waren die Pappkartons der Onlinehändler früher schlichtweg braun, werden sie nun bunt. Das liegt zum einen daran, dass es mehr Anbieter gibt, die ihre Waren im Netz verkaufen: Sie wollen sich voneinander abgrenzen. Zum anderen haben sie entdeckt, dass sich die Verpackung als Werbefläche eignet. Zumal manche Kunden das Auspacken der Pakete regelrecht zelebrieren: Sie filmen, wie sie die bestellte Ware auspacken und laden das Video im Netz hoch. Unboxing nennt sich dieser Trend.

Um die Kosten zu drücken, kaufen Onlinehändler häufig Pappkartons in Standardgrößen ein. Die Folge: Die Schachteln sind selten voll. Bei Waren mit ungewöhnlichen Maßen kann der Luftanteil im Paket sogar bei bis zu 80 Prozent liegen. Die Händler füllen die Pakete dann auf – zum Beispiel mit Luftpolsterfolie oder zerknülltem Packpapier.

In den nächsten Jahren könnte sich das allerdings ändern. „Schon jetzt gibt es Maschinen, die für jeden Auftrag eine individuelle Verpackung fertigen“, sagt Wolfgang Lammer vom Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund. In diesem Fall kauft der Onlinehändler die Wellpappe in großen Mengen ein – schneidet, faltet und klebt sie dann selbst maschinell zusammen. „Je größer die Onlinehändler werden, je mehr Massen sie verschicken, desto eher lohnt sich das Packaging on demand“, sagt Lammer.

Worauf sie beim Verschicken Ihrer Weihnachtspakete achten sollten, lesen Sie hier.

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar