Wirtschaft : Dem Smax laufen die Unternehmen davon

Bernd Hops

Gerade einmal zweieinhalb Jahre ist das Börsensegment Smax alt - und schon kehren ihm reihenweise Unternehmen den Rücken. Der Smax sollte kleinen und mittleren Werten größere Aufmerksamkeit bei den Anlegern verschaffen, ist damit aber offenbar weitgehend gescheitert. Allein acht Gesellschaften haben nach Angaben der Deutschen Börse AG ihr Ausscheiden bis zum Jahresende angekündigt. Die jüngsten Fälle sind der Bekleidungskonzern Wünsche und die Kässbohrer Geländefahrzeug AG. Das Segment mit bisher 126 Titeln dünnt so zunehmend aus. Der Grund: Das Listing ist vielen wegen hoher Auflagen zu teuer. Der Herrenausstatter Adolf Ahlers bezifferte die erwarteten Kosteneinsparungen auf bis zu 250 000 Mark. Andere Unternehmen schätzen das Einsparpotenzial auf das Dreifache.

Für die Aktionäre der betroffenen Werte bedeutet das Ausscheiden aus dem Smax weniger Transparenz. Sie müssen jetzt genau hinschauen, welchem Unternehmen sie die Treue halten wollen oder nicht. Denn Smax-Unternehmen müssen Quartalszahlen veröffentlichen. Und ab dem 1. Januar 2002 wird die Berichtspflicht noch ausgeweitet. Die Bilanzierung muss dann auch nach den internationalen Standards IAS oder US-GAAP erfolgen. Bei einem einfachen Listing im geregelten oder amtlichen Markt sind nur Halbjahresberichte Pflicht.

Außerdem müssen Smax-Teilnehmer einen so genannten "Designated Sponsor", das heißt eine Betreuerbank bestimmen, die für die nötige Liquidität im Markt sorgt. Gerade bei kleinen Werten ist dies wichtig, um die Handelbarkeit zu gewährleisten. Fällt dies für einen Wert weg, bedeutet das für die betroffenen Anleger, dass sie ihre Stücke unter Umständen nun schlechter verkaufen oder nachkaufen können.

Das Interesse von Investoren hielt sich bei einer Reihe von Smax-Teilnehmern aber ohnehin in Grenzen, denn die Aktien im Streubesitz - und damit erwarbbaren Papiere - machen oft nur einen geringen Teil aus. Aktien wie die des Wohnmobilherstellers Hymer waren nur für wenige Anleger interessant. Die Marktkapitalisierung des gesamten Segments ist mit rund zwölf Milliarden Euro (rund 23,2 Milliarden Mark) vergleichsweise gering und entspricht kleineren Dax-Werten wie der Metro AG. Nur wenige kleine Fondsgesellschaften bieten reine Smax-Fonds an. Darunter ist die Ivesco aus Frankfurt am Main, die bisherige Smax-Titel aber auch dann im Portfolio halten will, falls sie das Segment verlassen. Die meisten Fondsanbieter nutzen Smax-Werte höchstens als Beimischung.

Immerhin schafften einige Unternehmen den Sprung aus dem Smax in den M-Dax, den Index der Deutschen Börse für 70 mittelgroße Werte. Andere Unternehmen wie der Besteckhersteller WMF beklagen sich über die schlechte Kosten-Nutzen-Relation ihres Smax-Engagements. Die Kurse dümpelten dahin, eine Auswirkung der Smax-Teilnahme war nicht zu erkennen. Mitte nächsten Jahres droht einer Reihe von Smax-Werten noch eine weitere Degradierung. Der Auswahl-Index S-Dax, der die aufgenommenen Smax-Werten wenigstens etwas aus der Masse hervorhob, soll von derzeit 100 auf 50 Werte reduziert werden. Ein Kriterium für den Verbleib soll dabei die Börsenkapitalisierung gemessen am Streubesitz bilden. Bisher waren alle zum Handel zugelassenen Aktien herangezogen worden. Wegen der oft geringen Streubesitzquote ziehen viele bereits jetzt die Konsequenzen und verlassen den Smax.

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