Wirtschaft : Dem starken Dollar drohen weiche Zeiten

(HB GA).

DÜSSELDORF .Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) weist in ihrem am Montag vorgelegten Jahresbericht auf die Gefahr hin, daß der Dollarkurs schon mittelfristig drastisch verlieren kann.Das Leistungsbilanzdefizit der USA sei zwar bisher problemlos finanziert worden.Die Märkte könnten aber angesichts der steigenden Auslandsverschuldung die Geduld verlieren.Diese Gefahr drohe aber nicht unmittelbar.Zum Wochenbeginn erreichte der Dollar zum ersten Mal seit sieben Jahren gegenüber dem japanischen Yen einen Kurs von über 140 Yen.

Auch in Deutschland ist der Dollar am Montag gestiegen.Im Frankfurter Fixing notierte er mit 1,7743 DM gegenüber 1,7695 am Freitag.Die BIZ weist bei ihrer mittelfristigen Prognose jedoch darauf hin, daß die US-Währung gemessen an den fundamentalen Daten im Verhältnis zur D-Mark und insbesondere gegenüber dem Yen überbewertet sei.Bricht der Dollarkurs ein, drohen nicht nur den USA konjunkturelle Turbulenzen.Dann nämlich ginge die inflationshemmende Wirkung der aktuellen Dollaraufwertung verloren, die US-Notenbank könnte die Zügel der Geldpolitik straffer anziehen.Das könnte sofort auf die Preise von Immobilien und Aktien durchschlagen, deren Wert sinken würde, warnt die BIZ.Möglicherweise würden die USA Preise dann zu protektionistischen Maßnahmen greifen.

Kapitalströme würden sich verlagern: Einem Zinsanstieg in den USA oder Europa könnten weitere Abzüge von Mitteln aus den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens und Osteuropas folgen.Damit müßten die Kreditrisiken neu bewertet werden."Die Folgen einer solchen Neubewertung lassen sich kaum abschätzen," warnt die BIZ.Das Schlimmste in Asien sei noch längst nicht vorüber, heißt es im Jahresbericht der BIZ, der bei der gestrigen Generalversammlung in Basel vorgelegt wurde.Der belgische Notenbankchef und BIZ-Präsident Alfons Verplaetse sprach von einem wirtschaftlichen und finanziellen Drama, das für alle Beteiligten Nachteile bringen werde.Verplaetse forderte eine bessere Transparenz, eine verstärkte Aufsicht an den Finanzmärkten und Anreize für eine erhöhte Marktdisziplin.Kritisch stellte BIZ-Generaldirektor Andrew Crockett fest, daß keine der nach der Mexikokrise erlassenen Empfehlungen für ein Krisenmanagement bisher umgesetzt worden sei.

Unterdessen leiden die asiatischen Staaten vor allem unter der akuten Yen-Schwäche.So wird in Südkorea als Folge jetzt mit weiterem Abwertungsdruck für den Won gerechnet.Doo-Young Yoon vom Unternehmen Daewoo Securities, erklärt, die koreanische Regierung plane angesichts der sich verschärfenden Rezession nun eine Wende in ihrer Geld- und Haushaltspolitik: Mit einer Ausweitung der Geldmenge solle eine Senkung des Zinsniveaus bewirkt werden, was die Konkurswelle abschwächen könnte.Gleichzeitig sei eine Ausweitung des Haushaltsdefizits zur Konjunkturstimulierung vorgesehen, wie dies bereits im Falle Thailands vom IWF ermöglicht worden sei.

Obwohl sich die Börse in den vergangenen Tagen erholt hat, ist allzugroßer Optimismus in Südkorea fehl am Platz: Houng-Hwan Song von Hyundai Securities fürchtet, daß bei einem Andauern der Yen-Schwäche eine gravierende Beeinträchtigung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit koreanischer Erzeugnisse ergeben wird.In den kommenden Monaten wird die Arbeitslosenzahl nach oben schnellen, für das vierte Quartal muß mit einer erneuten Zuspitzung der Konfrontation mit den Gewerkschaften gerechnet werden.Allerdings wird allgemein erwartet, daß die von Staatspräsident Kim Dae-Jung nach seiner Rückkehr aus den USA für die kommende Woche erwartete Forcierung der Wirtschaftsreformen die Rahmenbedingungen für den Aktienmarkt weiter verbessert.

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